Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830026-2840590--54658-2840621- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400 197 vor den Angen gehabt haben und stellte die biblische Szene mit frischer, unmittelbarer, volkstümlich-naiver Eindringlichkeit dar, so wie er es eben gesehen hatte. Reizend ist die Darstellung des Siegesgesanges Miriams (Abb. 3). Fünf anmutige, prachtvoll gekleidete, blumenbekränzte junge Mädchen bilden einen Reigen. Ihnen voran steht die Heroine, Miriam, trommelschlagend; ein Kind begleitet sie. Die Mädchen tragen modische, hochgegürtete, dekolletierte, wallende Kleider mit übermäßig erweiterten Glockenärmeln. Im Hintergrund sieht man eine Baumgruppe, am oberen Rand eine Bordüre aus Akanthusranken und Blumen, die am Kopfe eines Putto ihren Anfang nimmt. Die ganzseitige, bildmäßig ausgeführte und künstlerisch von allen Malereien am höchsten stehende Miniatur scheint aber stark beschädigt zu sein. Kleidung und Kopfschmuck der Mädchen entsprechen den Frauentrachten, denen wir etwa im bekannten Skizzenbuch in Bergamo begegnen, teilweise von Giovannino dei Grassi (um 1395), im größten Teil aber schon aus dem zweiten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts oder im gleichzeitigen Theatrum sanitatis der Bibi. Casanatense in Rom, was uns auch als Anhaltspunkt der Datierung dienen kann. ־ - ' . Interessant ist die Illustration zu den Richtern: einem berittenen Krieger in voller Rüstung, Helm mit Visier, mit gezücktem Schwert, im Profil nach links, folgen drei Männer ״in Zivil“. Das Bilddien atmet schon fast den Renaissancegeist. Dieser lebendig erfaßte, schon realistisch gemalte Condottiere steht formal und zeitlich inmitten des Weges, den das Reiterbildnis von dem Sieneser Bild des Guidoriccio da Fogliano zu den Wandmalereien Uecellos und Castagnos, über dem Eingang des Domes zu Florenz, machte. Breit sind die großen Propheten illustriert, ein jeder von ihnen handelnd, predigend oder in einer entscheidenden Situation seines Lebens. Ein kleines Wunderding an Originalität des Einfalls und zeichnerisch-illustrativer Anmut ist die Randdekoration zum Hohen Lied (Abb. 4). Als Leitmotiv wurde das Titelwort: das Lied, die Musik herausgeholt. Am unteren Rand windet sich