Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2830023-2830026-2840590--54657-2840620- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
196 Zofja! Ameisenowa Einige Bilder möchte ich schärfer ins Auge fassen. Schon die Interpretation der ersten erhaltenen Miniatur bei Gottheil als ״Water issuing from the rock“ ist nicht richtig. Vielmehr handelt es sich unzweideutig um die Illustration zu dem nebenstehenden, übrigens selten illustrierten Text Ex 11]L. Wir sehen in einer bergigen Landschaft die von zinnengekrönten Quadermauern umgebene, durch Wassergraben verteidigte Stadt Ramses. Hinter den Mauern ragen minarettartige Türme und eine schlanke Zypresse empor. Durch das Stadttor schreitet ein Mann hinein, dem eine Gruppe von Männern und bepackte Esel folgen. Den weiteren Exodustext schmücken 11 kleine, durchschnittlich 90 mm hohe, 50—60 mm breite Bildeben, die den betenden Moses und die ägyptischen Plagen darstellen. Drei Plagen: die des Hagels, der Tierseuche und der Finsternis wurden durch größere Bilder ausgezeichnet. Dramatisch bewegt ist die Tierseuche dargestellt (Abb. 1): auf dem steilauf steigenden Boden liegen in verrenkten Stellungen tote Rinder und Schafe mit glasigen Augen. Barhäuptige Ägypter stimmen händeringend Wehklagen um die toten Herden an, während die Juden, mit hohen spitzen Hüten bekleidet, ihre Verwunderung über das Geschehene äußern. Ein Jüngling kniet vor Moses und scheint ihn um die Abwehr der Seuche anzuflehen. Bedeutend ist auch die folgende Miniatur, die den Auszug der Juden aus Ägypten darstellt (Abb. 2). Eine dichtgedrängte Menschenschar verläßt die befestigten Tore einer mittelalterlichen, südlichen Stadt. Vorn reitet auf einem weißen Pferd eine junge Frau, ihr kleines Kind vor sich haltend; auf dem Haupte trägt sie einen großen Ballen. Ihr folgen zu Fuß schwerbepackte Männer und Frauen. Ein Mann trägt sein Kind rittlings auf den Schultern; eine Frau führt ihr kleines Mädchen an der Hand, eine andere biegt sich unter dem Gewicht des Ballens, welchen sie nach Sitte der Mittelmeervölker auf dem Kopfe trägt. Ein älterer bärtiger Mann ergriff den Wanderstab und schreitet neben der reitenden Frau vorn; wahrscheinlich ist Moses gemeint. Der mit einem angeborenen Wirklichkeitssinn beobachtende Maler muß ähnliche Vorgänge des Auszugs seiner ausgewiesenen Brüder