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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 485

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Neueres Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stoffgeschichte
Date
1936-01-01
Page
Seite 485 (sequence 18)
Language
German
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Neueres Schrifttum zur jüd. Sagen* u. Stoffgeschichte 485 I. Die Sprache. Sprachlich hat es Olsvanger leichter. Er teilt die Anekdoten jiddisch mit, so wie er sie abgelauscht hat. Drujanow hingegen in einem wunderbar glatten, schmiegsamen Hebräisch. Er muß gegen die Anschauung ankämpfen, das Hebräische passe für Witz und Anekdote nicht. Druj. könnte sich auf Alcharisi und Joseph ben Meir Sabara berufen. Sein Werk durfte ähn~ liehen Bedenken begegnet sein wie Manoellos Dichtungen: der leicht geschürzten Muse passe die heilige Sprache nicht. Unter den 2083 Stücken ist auch manches Bedenkliche stehen geblieben. Gewiß gegen die Absicht des Verfassers, der gesteht, er habe noch einige hundert Anekdoten gesammelt, jedoch unterdrückt wegen אין מגלין אלא לצנועין. Daß das Jiddische sich für die Anekdote trefflich eignet, ist längst an« erkannt. Einmal (1032) gesteht Drujanow selbst, er könne die jiddische Pointe nicht wiedergeben. Die Anekdote endet nämlich damit, daß man in Chelm den Chazen auf ein Roß setzt, dessen Schweif man bei עושה שלום zerrt. Olsvanger (Rosinkess 345, Pomeranzen S. 10—13) gibt den Titel: a majsse mit en ek, wo ek sowohldas Ende als den Schweif bezeichnet. — Ein Germanismus gibt die Pointe zu Nr. 1929. Nach Petersburg wurden Handwerker zugelassen, jüdische Künstler nicht. Der Impresario bittet den Stadthauptmann Gresser, er möge ihrer Vorstellung beiwohnen und sich überzeugen; sie seien keine Künstler, sondern Schuster. סנדלר hat nicht die Nebenbedeutung wie Schuster. — Auch der witzige Verswechsel zwischen Hofprediger Teller und Mendelssohn: ״An Gott den Vater glaubt ihr schon“ usw. büßt im Hebräischen von seiner Urkraft ein (Nr. 2003). Viel häufiger jedoch eignet sich das Hebräische trefflich für die Pointe. Einige Beispiele: Woher folgt, daß Rabbiner nicht zu Israel zählen? Weil es im Kaddisch heißt 431) על ישראל ועל רבנן.) Warum wählt Lot eben Sodom zum Aufenthaltsort? 871) ראה שסדום כלה טשקה). Warum geht der Traktat Gittin dem Traktat Kidduschin voraus 1641) ללמדך שהקבה מקדים רפואה למכה). Ein ״Freigeist“ raucht am Sabbat zwei Zigarren אחת כנגד. זכור ואחת כנגד שמור (1760). Einem Rabbiner, der seine große Gemeinde mit regem Fremdenverkehr verlassen will, führt man vor, wie viel עוברים ושבים זקיקים לך, worauf der Rabbiner: ,1866) עוברים אני רואה, שבים איני רואד). Es genügt, einige Seiten des ם׳ בדיחה zu lesen und man überzeugt sich, daß in Drujanows Meisterhand sich das Hebräische großartig für die Anekdote eignet. II. Gewährsmänner. Urheber. Olsvanger ist es um den Stoff zu tun, Drujanow auch um die Herkunft. Ein gewaltiger Drang nach Anschaulichkeit läßt ihn die Anekdote an Person und Ort anknüpfen.

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