Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 476

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Neueres Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stoffgeschichte
Date
1936-01-01
Page
Seite 476 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2830015-2830022-2840478--54369-2840539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

476 B. Heller tier, das ihn die Sprache der Tiere lehrt. So erwirbt er die Prin׳- zessin, in die sich sein König verliebte/ wie ein Vogel eines ihrer goldnen Haare auf ihn fallen ließ (Tristan und Isolde-Motiv). Doch der sündige König findet seinen verdienten Tod: Reich und Braut fallen dem frommen Jochanan zu. Hebräischer Text: Exempla CCCV S. 197 ff., englische Auszüge S. 115 ff., 184, Parallelen unter Nr. 316. Das Märchen ist auch ins Maassebuch eingedrungen: Nr. 143. III. Der Bräutigam und der Todesengel. Hebr. Text: Exempla 139. Rüben wäre wegen eines Vergehens dem Tode verfallen. Vater und Mutter schrecken vor dem Todesengel zurück. Die Braut rettet ihren Bräutigam. Maassebuch 195. IV. Geschichte vom jungen Mann und den Raben. Der hebr. Text harrt noch der Veröffentlichung, englischer Auszug: Exempla 335. Tiersprachen״ kundiger Knabe erfährt von einem Raben, sein Vater werde verarmen und wieder reich werden. Es erfüllt sich wunderbarerweise. Hiezu eine Variante: der ti er sprachenkundige Knabe erfährt von Raben, er werde König werden, sein Vater werde ihm Hände und Füße waschen. Auszug: Exempla 352. Darin können wir G. nicht beistimmen, daß diese Märchen dem V. Jhdt. entstammen. Sie weisen auf Einwirkung des europäischen Mittelalters. In der englischen Zeitschrift Folk״Lore (1931 XLII 156—178) bietet G. die Übersetzung der מעשר ירושלמי. Bin Jerusalemiter wird nach verdientem Schiffbruch von einem Vogel ins Land der Dämonen getragen, heiratet die Tochter Äschmodais, erhält von dieser die Erlaubnis, seine frühere Familie zu besuchen, kehrt, meineidig, nicht zurück, wird! von Äschmodais Tochter mit einem Kuß erwürgt. — Dieses Märchen wird Abraham Maimuni zu״ geschrieben. Chauvin hält einen zum Islam übergetretenen Juden für den Verfasser. In Bolte-Polivkas Anmerkungen (IV, 350) habe ich nachzuweisen gesucht, der Verfasser müsse Jude gewesen sein: selbst die Dämonen lernen Bibel, versammeln sich in der Synagoge, die Ehe mit Äschmodais Tochter wird1 jüdisch geschlossen usw. G. stimmt diesen Ausführungen bei. Ich hin״ gegen kann ihm darin nicht folgen, daß wir hier das älteste Feenmärchen besäßen. מעשר ירושלמי entstammt der Verbindung von jüdischem mit ara״ bischem Geist. Gulliver among the Lilliputians in the twelfth Century and the tale of the dog־headed men. (II, 1052—1056.) G. behandelt hier 2 Märchen, die der Karäer Juda Hadasi in seinem אשכול הכו פר Im Jahre 1148 in Konstantinopel auf gezeichnet hat. Das Reich der Zwerge wird von Vögeln bekämpft. Ein״ mal kommt ein stämmiger Konstantinopler — der angebliche Gewährsmann unseres Juda Hadasis —י ins Land der Zwerge und steht ihnen im Kampfe gegen die Vögel mächtig bei. —Ein zweites Märchen erzählt Hadasi von himdsköpfigen Menschenfressern. G. meint, dies wäre die älteste Beschrei״ bung von hundsköpfigen Menschen. Doch einem solchen begegnen wir ja schon in der Aggada vom hundsköpfigen Merodach Baladon. Und auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.