Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neueres Schrifttum zur jüdischen Sagen- und Stoffgeschichte
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 4)
- Language
- German
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Neueres Schrifttum zur juck Sagen« u. Stoffgeschichte 471 Eingehend wird שם המפורש behandelt (263, 39 1, 393, 395, 725—729), als unaussprechlicher Namen gedeutet, eine Deutung, die mir zutreffender scheint als die beiden bei Bacher, Termine״ logie I, 159 f. G. setzt die Entstehungszeit des .חרבא דמשד für das 2. oder 3. Jhdt. n. Chr. an, in den arabischen Bestandteilen sieht er spätere Zusätze. Dieser frühen Zeitansetzung muß ich auch hier, wie so oft bei Gaster, ernsthaften Zweifel entgegensetzen. The Letter of Toledo (II 985—1004). Im Jahre 1184 erging, angeblich von den Weisen und Sterndeutern Toledos, an Papst Clemens III und andere Große ein Schreiben, das für 1186 den Weltuntergang ankündigte. Diese ״Ankündigung" wurde 1229, 1345, 1395, .1447, 1480 wiederholt: Gog״Magog erscheine, Juden verlassen ihre Synagogen, Sarazenen ihre Mahommerien. G. untersucht diese Weltende-Verkündung im Lichte der apokalyptischen Anschauungen. Troo ihousand years of a diarm against a child-stealing mit di. (II, 1005—1038). G. geht von heutigen rumänischen Beschwörungen aus: In der einen wird eine Dämonin angerufen, welche die Gestalt eines Hundes, einer Katze, einer Fliege, einer Spinne annimmt und das neugeborene Kind sowie die Mutter gefährdet. Sie trägt 19 Namen, einen: Vestitza, Avestitza will G. mit dem in Gefahr angerufenen Ebedisha gleichsetzen. Diese Gleichsetzung scheint mir unannehmbar, da Avestitza der kindertötenden Lilit gleicht, wohingegen Ebedisha טבד ישו den kinderschützenden Heiligen bezeichnet. Als solcher Kinderretter erscheint auch Snoi, Snsnoi, Smngolf2. G. setzt ihn gleich mit Sisynie, dem Patriarchen der orth. Kirche in Konstantinopel (XI. Jhdt.), erkennt ihn wieder in Raziels סנאי, סנםנוי, סמננלי und im Alphabeta Siracidis. Dann aber ist es unbegreiflich, wie G. den Namen einer geschichtlichen Gestalt des XI. Jhdts. bereits im Raziel findet und wie er das Alphabeta Siracidis ins 8. oder gar ins 7. Jhdt. versetzt (1031, 1263). Jedoch die Art, wie G. die tausendjährige Wanderung der Lilitbeschwörung durch Raziel, Alphabeta Siracidis, Testamentum Salomonis, durch Volksbräuche bis zu unsem Tagen begleitet, mag als Musterbeispiel einer vielseitigen, tief eindringenden Untersuchung gelten. Wiederholt begegnen wir in diesen Gesammelten Schriften dem Vorhaben Gasters, daß er der Erforschung von Zauber und 2 S. Grunwald, MGWJ 1933, LXXVXXI, 241 f.