Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Welchen Sinn hat Hohes Lied 4,8?
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
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452 Julius Boehmer Zu den Textänderungen Gustaf Dalmans lieg״! keine Nötigung vor. Der Sinn von TM ist eindeutig klar, wenn man sich entschließt, auch über Gebhardt S. 61 hinaus תבואי und ת$ורי als Doppelbegriff oder ev SuoIvSia zusammenzunehmen: ״komm schaun“1. Der Rufende steht vor der Gerufenen und will sie mitnehmen, entführen (ohne Gewaltanwendung) in die weite Welt, auf Bergesgipfel, wo sie ungestört miteinander ihr Liebesglück genießen wollen. Dabei verschlägt es nichts, ob es hier etwa um eine zweite Werbung (wie Gebhardt will) geht, die gar mit den Worten 4, 6 an die laut 2, 17 erfahrene erstmalige Ab- Weisung erinnert, oder ob 4, 6 als unecht fallen gelassen wird. Richtig dagegen ist, daß hier wie dort Myrrhenberg und Weihrauchhügel (dafür 8/ 14 Balsamberge) das Land Utopien meinen. Und noch mehr, worauf auch Gebhardt hin weist: ״Die Absicht der Lokalisierung hat dem Dichter fern gelegen. Unbekümmert um die geographische Lage gebraucht er' die Namen der verschiedenen Örtlichkeiten S. 19. Vgl. dazu 1, 5. 14. 2, 1. 4, 1. 7. 8. 6, 4. 5. 7, 1. 5. 6. 8, 11. 14. Dieser Umstand verdeutlicht zur Genüge, was die geographischen Namen 4, 8 meinen und was sie nicht meinen. Auch die Löwenhöhlen und Pantherberge sind, von hier aus gesehen, geographische Begriffe, lediglich Synonyme der Bergesgipfel, dichterische Bezeichnungen*, nicht aber Jagd-Erinnerungen oder als gefährliche Stätten gedacht. Kommt es also auf die Lokalisierung der einzelnen Berge und Stätten nebst ihrer geographischen Unterscheidung nicht an, so muß es wundernehmen, wenn Gebhardt sich gleichwohl um die Festlegung des Amana (ob bei Damaskus oder Ausläufer des syrischen Taurus) bemüht S. 61 u. Mit solchen Dingen haben es Verliebte, die scherzen und Scherzliedchen dichten, in keinem Zeitalter genau genommen; selbst zünftige Dichter nicht, die auf diesem Gebiet sich ergingen. Nach allem ergibt sich ein sehr guter ״Sinn'" des Liedchens 4, 8, das keinesfalls als Trümmerstück oder Lückenbüßer anzusehen ist, sondern selbst wenn es für sich stände (Gebhardt behauptet das Gegenteil, nimmt es als integrierenden Bestandteil des Hohen Liedes), ein sinnvolles Ganzes bildet. 1 So nimmt es auch Gebhardt, drückt sich aber unnötig־ unbestimmt und unklar aus. Vgl. such seine Übersetzung S. 38.