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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 451

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Welchen Sinn hat Hohes Lied 4,8?
Date
1936-01-01
Page
Seite 451 (sequence 3)
Language
German
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Welchen Sinn hat Hohes Lied 43? 451 seine Beziehungen zum Istarkult, Hannover, 1925), geht W. Wittekindt in den Spuren Bertholets. Unsere Stelle wird S. 164—8 erörtert, wo er nicht nur unsere Stelle, sondern das ganze Hohe Lied in den Tammuz- oder; Adönis-Mythüs hineinziehen möchte. Doch wenn wirklich einmal Anklänge an Tammuz- oder Adonisversehen (״ein Qedesche ruft die Hierodule zu sich“ S. 167) bestanden hätten, so wird von dergleichen der Sinn des gegenw ärt i ge n Wortlauts schwerlich berührt. Einen Fortschritt im Verständnis der Stelle bietet Carl Gebhardt, Das Lied der Lieder (übertragen, mit Einleitung und Kommentar, 79 S. Berlin, 1931). Er will im Hohenlied eine Kunstdichtung des hellenistischen Zeitalters, näher des dritten Jahrhunderts, angelehnt an die Idyllen Theokrits, die anzuknüpfen; seien sowohl an den aus dem Stegreif geschaffenen sizilianischen Hirtengesang (das meint bukolische Dichtung, vgl. Vergils Bukolika und die Schäferpoesie aller Zeitalter[), genauer: Zwiegesang S. 19, wie an den Mimos, das allgemeine und volkstümliehe, im fünften Jahrhundert entstandene, gleichfalls sizilische Stegreif-Wortspiel, das Menschen und Geschehnisse des Alltags in Zwiegesprächform vorführt. Dabei kommen die erwähnten Hinweise Bertholets nicht näher zur Sprache, doch wird der Grundgedanke allseitig ausgeführt und nach Möglichkeit begründet, auch die Anwendung auf 4, 8 gemacht. Überzeugende Kraft freilich wohnt dem allem nicht inne. Ein Einfluß der hellenistischen Kunstdichtung, auch ein nur formaler, auf das Hohe Lied, besteht nicht, wie überhaupt eine Einwirkung hellenistischer Dichtung auf hebräisch sprechendes Judentum sich nicht hat nachweisen lassen (darin ist I. Heinemann zu seiner brieflichen Äußerung vom 8. November 1936 durchaus beizutreten). Wenden wir uns nach dem allem dem Wortlaut selbst zu, so ist in Kittels Biblia hebraica zu lesen: ״Mit mir vom Libanon, Braut, mit mir vom Libanon her komm schaun; ja vom Amana^Gipfel, vom Senir- und Hermon-Gipfel, der Gegend der Löwenhöhlen, der Gegend der Pantherberge.“

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