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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 448

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Religion und Existenzphilosophie
Date
1936-01-01
Page
Seite 448 (sequence 8)
Language
German
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448 Albert Lewkowitz auf sich selbst. Wo aber ist die ungebrochene Energie des religiösen Bewußtseins in unserer Zeit, wo ein Verkünder Gottes aus der Unmittelbarkeit seiner Offenbarungen? Wir sehen Gott im Uchte der Offenbarungen, die er den Propheten hat zuteil werden lassen. Unser Glaube ist ehrfürchtiges Nachfühlen dessen, was Gott zu ihnen geredet hat, und ein leises Ahnen von der Gewalt dieses unmittelbaren Redens mit Gott. Parum ist der Weg unserer Frömmigkeit auch nicht der des auf sich ruhenden Individuums, sondern der Weg des Individuums,׳ das von der Frömrnigkeit der geschichtlichen Ge״ meinsehaftsreligipn getragen und geleitet wird. Diese geschichtliehe Gemeinschaft ist der Boden, dem unsere Frömmigkeit entstammt und der sie trägt. Sie ist der Ort unserer geschichtlichen Existenz. In ihr erfahren wir die zentralen Offenbarungen Gottes, in ihr liegen die Grenzsituationen, in denen wir unser tiefstes Sein und unsere Verbundenheit mit Gott erfahren. Es soll nicht geleugnet werden, daß auch unsere jüdische Gemeinschaft von der Gefahr des Positivismus und des Dogmatismus bedroht ist. Umso dringlicher aber ist die Aufgabe, in geschichtlich bestimmtem Glauben die Zukunft unserer Gemeinschaft zu sehen und zu gestalten. Wie wir die Verwandlung der Religion in Symbole, in denen nicht der Gegenständ des Glaubens, Gott erfaßt wird, ablehnen müssen, so können wir nicht den Vorwurf anerkennen, den Jaspers gegen die i d e aTi s t i s C fr e P h i I o s oph i e erhebt, sie leugne die konkrete Wirklichkeit und verwandle sie in ein System der Ideen. Diese Charakteristik der idealistischen Philosophie trifft wohl den absoluten Idealismus, trifft Hegel und auch den Neukantianismus. Aber weder Hegel noch der Neukantianismus sind die Repräsentanten der idealistischen Philosophie der Gegenwart. Die Existenzphilosophie, die aus der Phänomenologie hervorgegangen ist, sollte nicht an der Klärung des Wirklichkeitsbegriffs vorübergehen, sollte nicht den konkreten, geschichtlichen Idealismus übersehen, den S che 1 er, N. H a r t m a n n und Tr oe 11 s c h zu begründen sich bemühen. So wenig negieren diese Denker die konkrete Realität, daß sie die tiefe Verwurzlung des Wertbewußt״

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