Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Religion und Existenzphilosophie
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 449 (sequence 9)
- Language
- German
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Julius Boehmer: Welchen Sinn hat Hohes Lied 48? 449 seins in der konkreten Situation der geschichtlichen Wirklichkeit mit aller Energie herausarbeiten. ״Nur die Zusammenschau der zeitlos allgemein gültigen Werte mit den historischen konkreten Situationswerten, die Haltung also gleichzeitiger fortschreitend der Überschau über das Ganze des Lebens und das feine Gehör für die ganz eigenartige Forderung der Stunde vermag die volle Evidenz hinsichtlich des An-sich-Guten zu geben. Die Forde״ rung der Stunde (Goethe) ist also gradezu eine Wesenskategorie der Ethik.“ (Scheler: Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik II S. 512 ff., desgl. N. Hartmann; Ethik S. 142 ff. und Das Problem des geistigen Seins S. 114 ff. und insbesondere Troeltsch צ Der Historismus und seine Probleme: Der Begriff der gegenwärtigen Kultursynthese in seinem Verhältnis zum Historisch-Individuellen und zum Ethisch-Allgemeinen. Ges. Schriften III S> 164 ff.) Mit dieser Korrektur des Begriffs des philosophischen Idealismus als eines konkreten geschichtlichen Idealismus aber verliert die Existenzphilosophie die Sonderstellung, die sie der idealistischen Philosophie gegenüber einzunehmen sucht, und arbeitet sie an dem gleichen Problem wie jene, nämlich an der Klärung der in unserer Zeit so tief verschütteten Wesenserkenntnis des Menschen. Alsdann aber darf sie sich nicht der Tiefe der materialen Probleme der Ethik und Geschichtsphilosophie durch Rückzug auf das Freiheitsbewußtsein entziehen. Die Ent- Scheidungen der Freiheit enthalten ein Wertbewußtsein, das in seiner inhaltlichen Bestimmtheit Gegenstand der Kulturphilosophie, der materialen Ethik und Geschichtsphilosophie unserer Zeit ist. Auch die unbedingten Handlungen haben ein Wertbewußtsein zur Voraussetzung, das nicht als selbstverständlich gegeben betrachtet werden kann, sondern in philosophischer Besinnung geklärt werden muß. Weichen Sinn hat Hohes Liecl 48? Von Julius Boehmer. Zweimal hat uns Karl Budde, der weithin als der Erklärer des Hohen Liedes gilt, zu 4, 8 versichert, daß sich ״der Stelle kein Sinn abgewinnen“ lasse. Zuerst in Martis Kurzem Handkommentar 1898 S. 21; sodann in Kautzseh-Bertholet, Die Hei-