Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Religion und Existenzphilosophie
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Religion und Existenzphilosophie 447 die Symbole, die Chiffren bezeichnen — das Geheimnis des Lebens.! Jaspers hat recht. Weiter als bis zum Sprung, richtiger bis zur Grenze der empirischen Wirklichkeit führt philosophische Analyse menschlicher Existenz, führt Existenzphilosophie nicht. Sie deckt die Unzulänglichkeit des Positivismus und des abso״ luten Idealsmus auf, sie führt bis zur Tiefe des Lebens aus dem Glauben. Aber dieser Glaube, der durch wissenschaftliche Er kenntnis nicht zu gewinnen ist, wird der wissenschaftlichen Er״ kenntnis doch wieder geopfert, wenn er nur als Sprung ins Un״ bekannte, Unergründliche gedeutet wird. Bei aller unaus״ schöpflichen Irrationalität Gottes ist Glaube nicht bloße reli״ giöse Gestimmtheit der Seele, sondern ihre Hingabe an Gott. In den konkreten Situationen des Lebens, in unserer Verantwor״ tung vernehmen wir das Wort Gottes. Ein Denker, der zutiefst die Erschütterung aller religiösen Formen in unserer Zeit gefühlt hat, Georg Sim m e 1, ist sich der Notwendigkeit des religiösen Objekts als des Gegenstandes der Religion durchaus bewußt. Gewiß ist Frömmigkeit oder Gläubigkeit eine Verfassung der Seele, die mit ihrem Leben selbst gegeben ist und es auch dann in bestimmter Weise färben würde, wenn ihr nie ein religiöser Gegenstand gegeben würde. ״Dennoch ist es mir zweifelhaft, ob nicht der Grund״ wille eines religiösen Lebens unvermeidlich eines Objekts bedarf, ob jener rein funktionelle Charakter, seine an sich formlose, nur das Auf und Nieder des Lebens überhaupt färbende, weihende Dynamik, die jetzt den definitiven Sinn so vieler religiöser Be״ wegtheiten zu bilden scheint, nicht ein bloßes, eigentlich ideell bleibendes Zwischenspiel ist, der Ausdruck einer Lage, in der die bestehenden religiösen Formen von dem religiösen Innen״ leben durchbrochen und verworfen werden, ohne daß es neue an deren Stelle setzen.könnte.“..■ (Simmel: Der Konflikt der mo״ demen Kultur S. 43 ff.; siehe auch A. Lewkowitz: Religiöse Denker der Gegenwart S. 35 ff.) Eine der Wurzeln der Unentschiedenheit des religiösen Glaubens ist auch bei Jaspers die Entwertung der traditio״ nellen Formen der religiösen Objekts Vorstellungen. Diese Ent״ Wertung der Gemeinschaftsreligionen verweist den Einzelnen