Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Religion und Existenzphilosophie
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830022-2840471--54327-2840509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
446 Albert Lewköwitz zur Ewigkeit, Freiheit und Bindung, Gott und Welt in ihrer von allem Pantheismus und allem Dogmatismus freien Zuordnung gelangen zu überzeugender Darstellung. Wir weisen auf die tiefen Zusammenhänge dieser Existenzerhellung mit den Gedankengängen Martin Bubers hin, insbesondere mit dem, was Buber ״dialogische Verantwortung“ nennt. Auch für Buber ist; der Begriff der Verantwortung aus dem Gebiet der Sonderethik, eines frei in der Luft schwebenden Sollens, in das des gelebten Lebens zurückzuholen. Echte Verantwortung gibt es nur, wo es wirkliches Antworten gibt. Dem Augenblick, der konkreten Situation antworten wir, aber wir verantworten sie zugleich. Und wer diese echte, die dialogische Verantwortung übt, braucht den Sprecher des Wortes, dem er antwortet, nicht zu benenrien. Einer kann mit aller Kraft abwehren, daß Gott da sei, daß er zu ihm spricht, und kostet ihn zugleich im strengen Sakrament der Zwiesprache, in der Innerlichkeit der echten Verantwortung. (Buber: Zwiesprache S. 44—48.)! Und gleich Ja spe r s lehnt auch Bube r die D ö gmat is i e r u n g der Religion ab. ״Prinzip dort, Dogma hier, ich weiß die ,objektive" Dichtigkeit des Dogmas zu schätzen, aber hinter beiden lauert der — profane oder heilige — Krieg gegen die dialogische Gewalt der Situation, lauert das Ein-fünallemal, das dem unvorhersehbaren Augenblick widersteht. Das Dogma ist, auch wo sein Herkunftsanspruch unbestritten bleibt, die erhabenste Form des Gefeitseins gegen die Offenbarung geworden.“ (Buber: a. a. O. S. 49.) Aber in eben dem Begriff der Offenbarung־ scheidet sich zugleich Buber und Jaspers. Jaspers fürchtet die Transzen״ denz Gottes zu einem Objekt zu mythologisieren, wenn er eine Offenbarung Gottes anerkennen würde. Die Transzendenz bleibt für ihn das rätselhafte Geheimnis, der Abgrund, der menschliehe Existenz trägt, das Symbol. Nur im ,,Sprung"" ergreifen wir in der Unbedingtheit des Handelns, in der Rückhaltlosigkeit der Liebe, in der Verantwortung den transzendenten Grund der Existenz, der sich aber doch nie in seiner Anredbarkeit erschließt, nie Objekt, nie Wirklichkeit ist. Die Grenzsituationen,