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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 444

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Religion und Existenzphilosophie
Date
1936-01-01
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
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444 Albert Lewkowitz des Wifibaren als das Bewußtsein unbedingter Wahrheit spürbar ist. Glaube ist weder durch Argumente zu erzwingen, noch durch Faktizität zu beweisen, sondern nur aus der Freiheit der Existenz zu erfahren. Existenzerhellung vermag kein endgültides in Bild oder Spekulation sich rundendes Wissen vom Sein der Transzendenz zu gewinnen. Die Endlichkeit alles Wissens ist nicht zu überspringen. Während aber passives Nichtwissen nur die kritische Verwahrung gegen falsches Wissen bleibt, wird in der Existenzerhellung das Nichtwissen aktiv in der Erfahrung des wahren Seins. Im Blick auf das Scheitern des Wissens scheint es unmög״ lieh zu leben. Wenn das Nichtwissen um das Wirkliche die Angst steigert, Hoffnungslosigkeit mich in der Angst vergehen läßt, so ist der Sprung aus der Angst zur Ruhe der unge״ heuerste, den der Mensch tun kann. Erst die Angst, die den Sprung zur Ruhe findet, vermag die wahre Wirklichkeit zu sehen. Die Existenzerhellung des Sprunges ist ein Transzendieren, aber sie erschließt nicht ein Transzendentes außerhalb der Welt. Sie ist vielmehr zunächst ein Appell an das Ich, seine Freiheit und Ursprünglichkeit zu behaupten und zu bewähren in der Haltung zum Leben, In solchen freien Entscheidungen gestalte ich meine ge~ schichtliche Wirklichkeit. Im Freisein entdecke ich, wer ich bin. Aber grade im Ursprung meines Selbstseins, in den unbedingten Handlungen bin ich mir bewußt, mich nicht selbst geschaffen zu haben. Wo ich ganz ich selbst bin, bin ich mir bewußt, von einem Anderen getragen zu sein. Das sind die Grenzsi tuat i on en meines Daseins, in denen ich das Absolute als Grund meiner Existenz erfahre. Würde ich aber reine Transzendenz ohne diese Grenz Situationen suchen, so würde ich in eine leere Transzendenz sinken. Die konkrete Situation ist die Geschieht״ lichkeit, in der ich allein meiner selbst und der Transzendenz gewiß werde. Glaube ist Vertrauen in den Grund des Seins. In ihm ver~ mag sich die auf Zwecke gerichtete unbedingte Tätigkeit zu vereinen mit der Gewißheit, das Wahre zu tun, auch wenn alles scheitert. Die Phantasie ist das Organ, durch das ich mich der übersinnlichen Herkunft meines Daseins vergewissere. Ohne sie

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