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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 5 · p. Seite 423

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte des älteren jüdischen Theaters
Date
1936-01-01
Page
Seite 423 (sequence 9)
Language
German
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Zur Geschichte des älteren jüdischen Theaters 423 dem die komische Figur, ähnlich wie bei Hans Sachs oder den englischen Komödianten, mannigfache Intermedien ausfüllte21, desto kleiner ist die Narrenrolle. L., in dem die Narrenszenen größer sind und das mehr Intermedien mit der komischen Figur enthält als S. (in S. sind auch einige Stellen der Mordechai-Rolle kürzer) steht dem Ur~ text viel näher als das letztere. Das Gleiche kommt auch in der stärkeren Ähnlichkeit mit christlichen Vorbildern zum Ausdruck. So kann man zu Akt 1, Szene 3 (Haman erzählt dem König von Esther) Parallelen im Spiel der englischen Komödianten, bei Pfeilschmidt und anderen finden22. Das 4. Intermedium (3. Akt), in dem Mordechai Haman verspottet, der den Galgen baut, erinnert stark an die komische Szene zwischen Haman und dem Narr (Hans) während des Galgenbauens in Hans Sachs’ Estherspiel. Auch bei Hans Sachs warnt der Narr den Haman, Das Intermedium in Szene 3, Akt 2: Auftritt des Mordechai״Narr, während Hamann die Juden vor dem König verklagt, erinnert an das Interludium bei Hans Sachs, in dem der Narr den Hamann davor warnt, nicht mit den Juden zu beginnen. > Aus all dem ist zu ersehen, daß L. älter und vollständiger als S. ist. S. kann als eine gekürzte und korrumpierte Ausgabe von L. angesehen werden. Die genaue Beziehung der Texte zueinander wird wohl schwer festzustellen sein, solange noch keine kritischen Textausgaben vorhanden sind. Es wird aber schon jetzt klar, daß der Weg: Urtext > L. > S. (wohl noch mit verschiedenen Zwischenstufen) der richtige ist. Zwischen L. und S. macht sich noch ein Unterschied be״ merkbar: der S.-Text ist sehr korrumpiert und es finden sich dort oft ganz sinnlose Sätze und Worte. Es scheint daher, daß wir in S. einen mehr ״traditionellen“ Text haben, der von den Spielern aufgezeichnet wurde, während in L. ein mehr ״litera־• rischer“ Text vorliegt. Noch andere Unterschiede zwischen L. und S. führen schließlich zur gleichen Folgerung, daß L. näher dem Urtext 21 Vgl. Zinberg in Zukunft,. New York 1923 1,74. 22 R. Schwarz, Esther im deutschen und nieulateinischen Drama des Reformationszeitalters, Oldenburg und Leipzig S. 27; vgl. auch Ahasverös״ Spiel, Amsterdam 1708.

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