Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte des älteren jüdischen Theaters
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 10)
- Language
- German
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424 B. Weimyb steht als S. Zunächst trifft man in L. oft den Ausdruck ״boitz" (Potz), der häufig beim Narren im Estherspiel der englischen Komödianten23 zu finden ist. Weiter ist die ״Moral der Ge״ schichte" bei L. anders als bei S. Dort heißt es: ״Daß kein goj soll mit kein jud mauschel anfangen" und ״als einer, grabt ein grab auf sein feind und fallt letztlich selber darein". Da״ gegen heißt es in L. u. a.: ״Dises gleichen exempel soll ein jeder anschauen und soll auf kein menschen bauen, sondern soll haben auf Gott den Herrn sein vertrauen ..." Diese letztere Moral findet sich in mehreren älteren deutschen Estherdramen24, Sehr interessant ist die Szene in L. (Akt 2, Szene 6), in der Mordechai in die Selichot eine Satire hineinflicht: Anschel und Jakob haben auf dem Markt zu ׳פארכהייים eine Kuh gekauft, die keine Zähne hatte, nicht gehen konnte und keinen Heller wert war. Auch das Kalb, das sie geboren hatte, war nichts wert. Sie dachten, viel zu verdienen, und büßten schließlich ihr ganzes Geld ein; das Fell gaben sie dem ״Meister Wilhelm". Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt die Geschichte mit der Kuh aus dem ״Taub״Jäcklein״Spier, das aus der Wallich״ Sammlung bekannt ist25. Daraus läßt sich schließen, daß das ״Taub״Jäcklein״Spieli" ein integrierender Teil der älteren jüdischen Pürim״Spiele war und daß Taub״Jäcklein und Kendlein die Rolle des Narren Hans und seiner Frau hatten. Das Taub״Jäcklein״ Spiel bildete somit eine Art Zwischenspiel im Ahasveros״Spiel. Erst nachdem die Rolle des Narren mit der des Mordechai zu״ sammengefallen war, ist Taub״Jäcklein aus den Ahasveros״ Spielen verschwunden. Nur in L., das noch ältere Schichten aufweist, befindet sich eine Reminiszenz an das Taub״Jäcklein״ Spiel. Wie gesagt, ist an sich die Zugehörigkeit des Taub ״Jäcklein״ Spiels zum Esther״Spiel eine Hypothese, die noch durch andere Belege bestätigt werden muß. Trotzdem kann sein Vorkommen in L, als weiterer Beweis dafür dienen, daß L. aus Deutschland stammt und ältere Schichten als S. enthält. 23 Abgedruckt bei Tittmami, Die Schauspiele der englischen Komö״ dienten, Leipzig 1880, S. 3—44. 24 So im Drama des Velten Voith (erschienen anonym Magdeburg 1537) u. a.; Schwarz, ib. S. 12—19. 25 Rosenberg in ZGJD, II, 1888, S. 256—57; M. Erik, Die Geschichte vun der jidischer Literatur, I (jiddisch) Warschau 1928־, S. 144.