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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 5 · p. Seite 422

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 5
Article
Zur Geschichte des älteren jüdischen Theaters
Date
1936-01-01
Page
Seite 422 (sequence 8)
Language
German
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422 B. Weinryb Ahasveros befiehltr ihn zu hängen. Haman flieht und wird ergriffen. 8. Szene; Haman geht zum König. Königin und Mordechai bitten um.sein Leben. Mordeehai antwortet mit Witzen. 9. Szene: Haman verabschiedet sich und wird gehängt. Inter medium Hamans Wiedergeburt. Epilog Die Spieler verabschieden sich. 8. Szene j Wie L. Nur kürzer. 9. Szene; Wie L. Intermedium Wie L. Epilog Wie L. mit einigen Änderungen. Aus diesem Vergleich ersieht man, daß L. vollständiger als S. ist. In S. fehlen 4 Intermedien und 4 Szenen. Andere Stellen sind dort kürzer als in L. gefaßt. Diese Verschiedenheit kann uns aber auch Beweise liefern, daß L. viel älter und ursprünglicher als S. ist. Der überlieferte Text der jiddischen Esther-Ahasveros- Spiele ist aller Wahrscheinlichkeit nach so entstanden, daß die jüdischen ״Spieler" Teile aus dem seit der Reformation in Deutschland verbreiteten christlichen Esther-Drama herausgriffen und sie ihrem Sinne und ihren Bühnenmöglichkeiten anpaßten. Im Laufe der Zeit haben sich die einzelnen Texte vermischt, so daß die erhaltenen eine Zusammenfügung mehrerer Bruchstücke darstellen. Ähnlich war es mit der komischen Figur (Hanswurst, Pickelhäring, Harlekin), die von den englischen Komödianten übernommen wurde und sich im deutschen Drama einbürgerte. Im jiddischen Estherspiel befand sich ursprünglich eine komische Figur (Prinz Mondrisch) neben der ernsten Figur Mordechais. Da man aber das Spiel nicht nur in besonderen Gebäuden aufführte, sondern auch die ״Kunst" den Leuten ins Haus zu tragen pflegte, um dort Aufführungen zu veranstalten, so mußte man sparsam mit den Personen umgehen, so daß auf einen Spieler zwei oder noch mehr Rollen entfielen. Allmählich vermischte sich so die Rolle der komischen Figur mit der des Mordechai20, wobei beide Rollen sich etwas verkürzten. Je weiter also ein Stück vom Urtext entfernt ist, in 20 Vgl. auch Weinryb in: The Journal of English and Germania Philo,logy XXXIII, 391 f.

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