Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Landsberg a. d. Warthe
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 10)
- Language
- German
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412 Oswald Lassally milien datiert vom Jahre 1720. In diesem Jahre erwarb Isaak Charleville ein Haus, Am 18. August 1722 erging: eine allgemeine Verordnung, nach der die Juden sich nur verheiraten konnten, wenn sie von der Rekrutenkasse eine Erlaubnis oder einen Trauschein be״ kommen hatten45. 1724 wurden die Juden durch den Staat zur Tabakentnahme verpflichtet. Am Wollwarenhandel waren die Juden Lands״ bergs, wie sich aus verschiedenen Urkunden ergibt4V stark be״ teiligt, Auch waren verschiedene Landsberger Juden Besücher der Leipziger Messe47. Im Jahre 1725 erhielten in Landsberg 119 Schutzjuden das Recht zur Ansetzung des ersten Kindes, acht durften auch das zweite Kind in Landsberg ansässig lassen. Am 17. April 1750 wurde von Friedrich dem Großen ein neues Judenreglement erlassen, das die ohnehin schon be״ schränkte Gewerbetätigkeit und Bewegungsfreiheit der Juden noch weiter beengte, und für die zahlreichen Abgaben die ge״ meinsame Haftbarkeit der Gemeinde vorschrieb48. 1772 be״ stimmten die Landsberger Judenältesten, daß die Kinder die rückständigen Abgaben der Eltern zur Gemeindekasse zahlen und daß die Erben eines Schutzjuden dessen öffentliche Ab״ gaben nach dem Verhältnis ihrer Erbschaft übernehmen müßten. . ' 5 •* ־. י 1752 erhielt die Gemeinde eine Synagoge, 1766 ein Annen״ und Krankenhaus40. Der erste Rabbiner, der in der neuen Synagoge amtierte, war Lewin Marcus (1751—1764). Mit ihm hatte die Gemeinde jedoch großen Ärger, weil er meistens ge״ schäftlich unterwegs war und den Gemeindemitgliedern Kon״ kurrenz machte. Sein Nachfolger war Elias Lewin (1765—1802). Über die Einfachheit, ja Ärmlichkeit seines Haushaltes berichtet 45 Vgl. Mylims, S. 186. 46 Vgl. S. Stern, Bd. 2, Nr. 215, 412, 422 und1 Gesamtarehiv der Deutschen Juden 1908, S. 10. 47 Vgl. M. Freudenthak Leipziger M'eßgäste, 1928, S. 155. 48 Vgl. Ismar Freund, Bd.: 2, S. 22—55. 40 Encyclopädia Judaica, Bd. 10, S. 618.