Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Landsberg a. d. Warthe
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Landsberg a. d. Warthe 413 uns anschaulich Elsaß in den Mitteilungen zur jüdischen Volks״ künde50. Die Landsberger Generaljuden״Tabelle von 176551 zählt 30 ordentliche Schutzjudenfamilien auf, wozu noch 15 Familien kommen, die, auf das Recht des ersten Kindes angesetzt, den vollen Schutz genossen. Als ״Extraordinarii“, außerordent״ liehe Schutzjuden, weist die Tabelle 11 Familien, meist Witwen, auf, so daß ohne die ״publiqugn Bedienten" die Landsberger Judenschaft damals 66 Familien mit etwas über 300 Personen zählte'. Im Jahre 1768 waren von 54 jüdischen Familien in Landsberg 29 im rechtlichen Besitz von Häusern52. Im Jahre 1766 hatten die Juden zur Anlegung von Fabriken mit 300 neuen Webstühlen 180 000 Taler und noch im selben Jahre zur Gründung einer Levantischen und Asiatischen Ham dels״Compagnie und zur Errichtung von zwei weiteren Fabriken 76 392 Taler aufzubringen, wozu die Landsberger Juden alleine 1100 Taler beitrugen53. Dagegen beschwerten sie sich bei dem König,; als sie vom Magistrat im Jahre 1761 zu den Brand״ schatzungsgeidern, die an die Russen zu zahlen waren, mit 1000 Talern — das war 1/4 der der ganzen Stadt auf erlegten Summe — herangezogen werden sollten. Der Begründung des Magistrats, daß die Juden durch den Verkehr mit den Russen großen Nutzen gezogen hätten, hielten sie entgegen, daß die christlichen Mitbürger nicht weniger, ja noch bei weitem mehr an den Russen verdient hätten54. Die auf das Recht des zweiten Kindes angesetzten Lands״ berger Juden mußten jährlich für 1500 Taler Manufakturwaren exportieren55. Durch Decret vom 20. März 1769 wurde allen Schutzjuden auferlegt, Porzellan von der 1755 gegründeten Porzellanmanufaktur, die wenig Absatz hatte, zum Export zu übernehmen. Die Juden der Neumark mußten zur Sicherheit für diese Verpflichtung eine Kaution von 40 000 Talern stellen, wovon die Landsberger Juden am 6. September des Jahres noch 2860 Taler schuldeten. 50 1905, S. 96 ff. ״Der Haushalt eines Rabbiners im 18. Jahrhundert". 51 Mag*istrats״Archiv Landsberg E XXI d• 2 Nr. 3. 52 Vgl Engelien, S. 318. 53 Vgl. Elsaß, S. 96. 54 Vgl. Engelien, S. 195. 55 Siehe Mitteilungen d. Gesamtarchivs dl Deutschen Juden 1908, S. 10.