Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Bedeutung der verschiedenen Punktationssysteme für die Aussprache des Hebräischen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 3)
- Language
- German
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392 Carl Cohen für tib. ־7־ z. B. in תבכה angewandt ist. Wahrscheinlich ist demnach das _1 ein ä-haltiges a (so wie das ־7־ nach Idelsohn7 heute bei den syrischen Sephardim, den Samaritanern und Jemeniten); das JL ein klares oder dumpfes a (etwa wie das norwegische a) gewesen. Diesen Beispielen steht gegenüber, daß die heute anerkannte; durch den Rambam8 autorisierte Punktation immer das gleiche Zeichen für Kamez und Kamez katan benutzt. Das gleiche Zeichen wird also in der seph. Aussprache als a oder o gelesen, je nach seiner grammatischen Herkunft. Es wäre erstaunlich, wenn die Massorethen der Schule Ben Aschers aus Nachlässigkeit diese Doppelbedeutung des ־ך eingeführt hätten. Die Massorethen erschufen ja die Vokale, waren also an keine feststehenden Zeichen gebunden. Die Schule Ben Aschers war außerordentlich sorgfältig; sie unterschied ja z. B. die drei ganz kurzen Murmellaute ־7־ und 7ך exakt von den entsprechenden kurzen Vokalen, obwohl der Unterschied in der Lautquantität gering gewesen sein muß. Allerdings mögen grammatische Gründe für die Schöpfung der Chathaph-Laute maßgebend gewesen sein, da diese fast immer Schwa vertreten. Aber auch das Chirek ist manchmal, z. B. in nhttfS, ein ebensolcher Stellvertreter für Schwa, wird aber nicht äußerlich als solcher gekennzeichnet9. Wenn also die Tib. in ihrer Punktation das gleiche Zeichen für Kamez und Kamez katan verwandten, so können diese für sie nicht verschieden gewesen sein, m. a. W. die Tib. haben Kamez und Kamez katan gleich ausgesprochen. Daraus würde sich ergeben, daß ihre Aussprache nicht seph., sondern eher dem heutigen Aschkenasischen verwandt war. Die Sephardim sind geistig stärkstens von den Babyloniern beeinflußt worden10 und haben auch deren Aussprache des Hebr. im 7 Die gegenwärtige Aussprache des Hebr. bei Juden und Samaritanern, MGWJ, 57, Seite 527 fg. und 697 fg. 8 Jad chasaka, hilch. sef. th., Kap. 8, § 4. 9 Aus dieser Tatsache folgert übrigens J. Bursztyn in seiner Vollständigen Grammatik der Alt« und Neuhebräischen Sprache (Wien 1929), daß das שוא נע immer wie kurzes i gesprochen wurde (Seite 12). 10 Graetz, Gesch. d. Juden, Band V, Kap. 11.