Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst 389 Als neues Moment kommt hier noch das Bild des Bären hinzu, der einen Baum erklettert31. Das Motiv des Bären, der einen Baum erklettert, um das Bienenhaus auszuplündem, ist aus den russischen Volksmärchen gut bekannt, wo der Dummheit des Bären die Schlauheit des Bauern gegenübergestellt wird, der den Honig vor dem Zugriff des Bären zu schützen weiß. Hier ist es jüdisch umgedichtet. Der kostbare Honig deutet auf das von Milch und Honig fließende Land, um dessen Wiederauf״ bau im Maarivgebet des 2. Festtages der Laubhütten gebetet wird. Er kann aber in der typisch-jüdischen Umbiegung der Symbolik auf die Lehre angewandt verstanden werden. ״Süßer Honigseim" ist die Lehre Gottes im Machsor Schabuot. Der honigsuchende Bär und der schlangenverzehrende Storch sind uns vertraute, bis jetzt aber in ihrer jüdischen sym״ bolischen Bedeutung nicht erfaßte Bildmotive der osteuropä״ ischen Synagogenmalerei, wie wir sie z. B. schon in der älteren Synagoge von Jablonow finden32. Die messianische Hütte der Frommen, die wir auf dem ־ Deckengemälde der Synagoge in Mohilew nachweisen konnten, ist ein Seitenstück zu den Darstellungen der Stadt Jerusalem, das ebenfalls zum Stoffkreis der Synagogenmalerei des 17, und 18. Jahrhunderts gehört. Die messianische Hütte und die Stadt Jerusalem sind typologisch identisch. Um auch ein Beispiel aus Deutschland zu nennen, soll auf die Holzsynagoge aus Horb hingewiesen werden33, wo auf der Schildwand der Tonne, links die Stadt Jerusalem gemalt ist. Auch hier ist die Tempelstadt als die Hütte der Endzeit auf״ gefaßt. Rechts sehen wir neben Symbolen der Fruchtbarkeit der künftigen Zeit, den üppigen Weintrauben und Äpfeln, in Körben und Vasen, den in Rot und Gelb prangenden Etrog und den grünen Feststrauß des Lulab. Die Friedenstaube sitzt hoch oben auf dem Ölberg, auf einem Ölbaum. Löwen trompeten. An goldenen Ketten hängen zwei Hörner. Es ist das messia״ nische Jerusalem. Die Beischriften bestätigen unsere Deutung. 31 Der den Baum erkletternde Bär wird von Lissitzki erwähnt. 32 Abbildung* in Rimon, Heft 3. 33 Farbige Abbildung im Rimon, Heft 3. Die Horber Holzsynagoge be״ findet sich als Privatstiftung im Städtischen Museum in Bamberg.