Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 14)
- Language
- German
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388 Rahel Wischnitzer-Bernstein ist, steht rechts am Ufer neben einem Baum ein Haus auf Rädern (Abb. 5). Ein riesengroßer Storch fliegt über dem Haus mit einer Schlange im Schnabel, die sich um seinen Hals windet, zum Nest auf dem Baum. Dort sehen wir die Storchmutter und die Storchjungen sich ebenfalls an Schlangen gütlich tun. Tauben, Symbole des Friedens, fliegen am Himmel. Es ist das Paradies, denn der Baum, auf dem die Störche nisten, ist inschriftlich als Ez Hadat, als Baum der Erkenntnis bezeugt28. Der Bau mit seiner hohen, von Voluten gestützten, Attika, mit dem geschweiften Dach und dem Turm mit Zwiebelkuppel ist für die russische Prunkarchitektur der Barockzeit charakteristisch, es ist die Paradieshütte der Endzeit. Neben dem Paradiesbild auf der Nordwestseite des Zeltdaches, rechts, befindet sich das Bild der Stadt Worms29, das wir hier nicht näher behandeln können. Es sei nur bemerkt, daß der, ebenfalls inschriftlich bezeugte, Lebensbaum, der als der zweite Paradiesbaum, dieses Stadtbild schmückt, gelbe Etrogim trägt. Die Zytrusfrucht wird bekanntlich auch Paradiesapfel genannt. In den horizontalen Zwickeln, die den Übergang des Vierecks zum Achteck des Zeltdaches vermitteln, sind außer dem Elefanten und einer nicht sicher identifizierten Ziege Behemot und Leviatan gemalt. Auf den Wänden sind die Geräte des salomonischen Tempels dargestellt30. So kreist die Symbolik der Mohilewer Synagoge um die uns vertrauten Vorstellungen vom messianischen Tempel, der messianischen Hütte und der messianischen Speise der Gerechten. 28 Die Inschrift ist von El. Lissitzki, der die Malereien an Ort und Stelle kopiert hat, gelesen worden. Mit der Lupe läßt sie sich auf der farbigen Abbildung im Rimon, 1923, Heft 3 entziffern. Vögel1 im Nest deutet auch Molsdorf, Christi. Symbolik d. mittelalt. Kunst, 1926, S. 115 als Sinnbild des paradiesischen Friedens. 20 Das Bild der Stadt Worms ist inschriftlich bezeugt. M. Grunwald hat verschiedentlich auf den Ursprung der Darstellung hingewiesen, zuletzt in A. Breier, M. Eisler und M. Grunwald, Holzsynagogen in Polen, Wien, 1934, Anhang, S. 6. 30 Die Geräte des Salomonischen Tempels, der Behemot, der Leviatan, der Elefant und die nicht näher bestimmte Ziege sind von Lissitzki in seinem Reisebericht, Rimon, Heft 3 erwähnt. Kopien dieser Bilder besitzen wir jedoch nicht.