Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst 379 darf hierin kein Verstoß gegen die Vorschrift erblickt werden. Vom Beschauer aus betrachtet,- hält der Mann den Etrog in der Linken und den Lulab in der Rechten, und so ist die Dar- Stellung vom Künstler auch gedacht. 'Am unteren Rande des Blattes sieht man einen großen blauen Fisch und einen roten Stier mit goldenen Hörnern. Es sind das die beiden Urtiere,, wie sie schon bei Hiob Kap. 40 als Meeres- und Landungeheuer auftreten. Es ist der Leviatan und der Behemot3. In welcher Beziehung stehen die sagenhaften Tiere der Bibel zur Gestalt des frommen Feststraußschwingers im oberen Teil des Machsorbildes? Die Antwort wird durch den Text des Machsor geliefert, der uns allerdings ohne Kenntnis der talmudischen Quellen nicht immer verständlich sein wird. Im Machsor (Kerobot für den 1. Tag Sukkot) heißt es, daß die Sukka der künftigen Welt eine ״Hütte aus Haut'" ist. Anschließend wird erzählt, daß der Fromme beim Beziehen der messianischen Hütte den Leviatan erblickt, wie dieser ״mit Fischereisen herbeigezogen wird". Der Walfischfang mit Harpunen liegt dem Bilde zugrunde4. Nach Baba Batra 75a wird Gott ״aus der Haut des Leviatan 3 Die Bilder des Machsor der Leipziger Universitätsbibliothek sind bei Ä.1.Bruck, Die Malereien in den Handschriften des Königreichs Sachsen, 1906 $$ter Nr. 77 beschrieben, aber ikonographisch nicht identifiziert. Von den j£jtn mir identifizierten Bildern dieses Machsor habe ich veröffentlicht: das Brautpaar des Hohenliedes, aus dem 1. Band der Handschrift fol. 64 verso, und die Gesetzesübergabe, B. 1, fol. 130 verso, beides abgebildet in meinen ״Symbolen und Gestalten der jüdischen Kunst"‘, 1935, Abb. 30 und' Abb. 2; ferner Abraham im Feuerofen, B. 1, fol. 164 verso, abgebildet EJ I, 377 und im Leipziger isr. Gemeindeblatt, 1929, 15. März. Dort habe ich auch den Feststraufischwinger reproduziert^ jedoch ohne die Tiere vom unteren Rand des Blattes. Zofja Ameisen hat diese Tiere neuerdings als Leviatan und Behemot gedeutet: MGWJ, 1935, S. 409 ff. Da sie aber die Figur auf der Miniatur als Ährenlesenden verstanden hatte (nach Bruck, der sie als ״Ähren tragend“ schildert), ist ihr der Zusammenhang zwischen dem Mann und den Tieren nicht ganz klar geworden. Dieser hat sich erst aus der Gegenüber- Stellung unserer beiden Teildeutungen ergeben. 4 Die Schilderung des Leviatanfanges klingt übrigens an Hiob 40^5-*6י an, wo es heifit: Du ziehst den Leviatan am Hamen, und senkst in die Angelschnür seine Zunge. Wirst du den Maulkorb legen vor seine Nase und mit Haken sein Kinn durchlöchern? 25*