Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
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378 Rahe! Wischnitzer-Bernstein Ein. Beispiel für die Durchdringung der Sukkotliturgie mit me ssianischem Gedankengut bietet eine bildliche Darstellung im Machsor der Universitätsbibliothek Leipzig, cod. V 1102. Die Handschrift ist in der 2. Hälfte des 14. od. Anfang des 15. Jahrhunderts in Süddeu.tschland entstanden und weist im Dekor manches Merkmal der Spätgotik auf. So sind die Kriechblumen und die Kreuzblumen darin bereits von ausladender, bewegter Zeichnung, das Maßwerk von feiner Gliederung, der Kielbogen und der abgeflachte Korbhenkelbogen machen sich bemerkbar. Beachtenswert ist die Behandlung der menschlichen Figur. Tierköpfige Gestalten, wie im Hammelsburger Machsor von 1348 (Darmstadt, Landesbibliothek, cod. or. 13) fehlen hier. Die Köpfe mit stark gelocktem Haar zeigen jedoch Gesichtsprofile von schematischer Zeichnung, Männer, Frauen, Kinder haben alle das gleiche Gesicht. Eine Kurve deutet Stirn und Nase an, ein einziger Querstrich bezeichnet Nasenloch und Mund. Das wenig anmutige, betont krummnasige Gesicht wird durch ein weitgeöffnetes Auge belebt, das gelegentlich durch einen Schattenstrich hervorgehoben erscheint. Die Figuren zeigen die gotische Biegung. Im 2. Band der Handschrift, die den Machsor Sukkot und Jomkippur enthält, sehen wir auf Blatt 181 verso (Abb. 1) eine Illustration, die sich auf die Sukkotliturgie bezieht. Das Initialwort אכתיר (ich werde krönen), mit dem der Text auf dem Blatte beginnt, leitet das Jozergebet des ersten Tages des Sukkotfestes ein. In Goldmalerei auf Rankengrund in großer Quadrata geschrieben, steht es in einem rechteckigen mit Kreisen und Rau-, ten gefüllten Rahmen. Am rechten Rand des Blattes ist ein Mann in Vorderansicht, stehend, den Kopf zur Linken geneigt, Etrog und Lulab in den Händen, dargestellt. Die Symbolpflanzen des Sukkotfestes sind sorgfältig gezeichnet. Der Vorschrift entsprechend (Talmud Sukka 45b), ist die Frucht und der Blätter- Strauß mit der Spitze nach oben gehalten gezeigt. Auch in der Kennzeichnung von Form und Zahl der einzelnen Pflanzen (ein Palmzweig, zwei Bachweidenruten, drei Myrtenzweige) ist das Bestreben, der Vorschrift zu genügen, erkennbar. Wenn der Schwinger des Feststraußes den Etrog in der Rechten zu halten scheint (Suk. 37b fordert, daß man ihn in die Linke nehme), so