Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 7)
- Language
- German
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356 Michael Guttmann haupteten. Für die Gernara gelten ganz andere Redaktionsmotive, und auf diese kommt es bei Beurteilung der Kaplansehen Arbeit an. Diese enthält eine Studie über einige bisher gewonnene Ergebnisse betreffend das Problem der Talmudredaktion. Im ersten Abschnitt übt K. Kritik an den Erklärungsmethoden der neueren jüdischen Forscher7 namentlich Graetz, Frankel, Rapoport, N. Brüll, I. H. Weiß und I. Halevy. Er bemängelt vor allem, insbesondere bei Graetz, daß man dem Scherira-Brief ohne näheres Eingehen auf das Talmudmaterial folgt. Darin kann man ihm beistimmen. Anerkennenswert ist es auch, daß er sich der mühevollen Kleinarbeit unterzieht, das bisher herangezogene Material im einzelnen zu untersuchen. Die ersten Abschnitte gruppieren sich um Rab Aschi. Zunächst kommen die bereits von Weiß und anderen herangezogenen Talmudtexte. K. verhält sich zu ihnen recht skeptisch. Doch müßte man sich, um richtig zu urteilen, erst darüber schlüssig werden, was man wohl unter Talmudredaktion zu verstehen habe. Die Mischna kann, wie bereits erwähnt, hier nicht als Analogon dienen, da dieser ein Selektionsprozeß zugrunde liegt, während der babylonische Talmud einem Sammel- und Angliederungsprozeß seine Entstehung zu verdanken hat. Rabbi läßt alles beiseite, was ihm nicht in die Mischna hineinpaßt, den Talmudredaktoren hingegen war es darum zu tun, nichts am Wege liegen zu lassen. Rab Aschi hatte daher für die Redaktion des Babli eine andere Rolle als Rabbi für die der Mischna. Ersterem genügte es, der eigenen Schule durch gehobenem Lehrbetrieb eine größere Frequenz zu sichern als ihn die Schwesteranstalten genossen. Dazu mag auch wesentlich beigetragen haben die materielle Möglichkeit von Seiten Rab Aschi s, großen Schülermassen die Anteilnahme am Lehrbetrieb zu erleichtern. Dadurch konnte sein Talmudexemplar, bezw. der an seiner Schule formulierte Lehrinhalt das Übergewicht vor anderen Formulierungen gewinnen, und damit war für die Talmudredaktion das meiste getan. Es war damit das Standardexemplar gegeben, an dem weiter gearbeitet werden konnte. Unter dieser Voraussetzung erscheint der erste Spruch im III. Abschnitt in einem andern Lichte. Die Worte «אף אני אומר מימות רבי רעד רב אשי ל