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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 355

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit
Date
1936-01-01
Page
Seite 355 (sequence 6)
Language
German
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Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit 355 Tamid nicht nur einen alten, sondern auch einen singulären Typus vor uns haben, für den keine verschiedene Versionen im Umlauf waren. Die var. lect. sind phonetischer und orthogra« phischer Natur. II. Einleitungswissenschaft. The Redaction of the Babylonian Talmud, by Julius Kaplan P h. D. New York Bloch P u b 1 i - shing Company ״the Jewish Book Concern“ 1933. Über der Redaktion des Talmuds schwebt ein Dunkel wie kaum noch über einem andern Werk der Antike. Der tiefere Grund hierfür liegt in der Art seiner Entstehung. Die jüdischen Hochschulen Palästinas und Babyloniens, die als die ״Verfasser“ des Talmuds zu gelten haben, gingen niemals davon aus, ein Literaturwerk ins Leben zu rufen. Der Lehrbetrieb war mündlieh; der Lehrinhalt vererbte sich ständig anschwellend in lebendiger Unmittelbarkeit von Geschlecht zu Geschlecht. Gewiß gab es auch schriftliche Aufzeichnungen. Doch waren die Schreiber keine Verfasser und wollten es auch nicht sein. Das lebendige Wort wollten sie bloß festhalten. Und wenn sie bei der Wiedergabe manches stilistisch geglättet und gefeilt haben, so wurde am Gesamtbild des lebendigen Vortrags nichts geändert. Daraus folgt zunächst, daß die Schulen zu jeder Zeit ihren eigenen Lehrinhalt, ihren Talmud hatten. Wie es nun kam, daß die babylonischen und palästinischen Schulen bloß je einen Talmud zurückließen, mag sich teils aus de־r Zusammenarbeit der entsprechenden Schulen erklären, teils auch durch die Verschmelzung gleicher oder nahe verwandter und Nebeneinandersetzung abweichender Lehrmeinungen zustande gekommen sein. Der konkrete Vollzug des Prozesses ist eben unser Problem. Oberstes Leitmotiv für Vortragsordnung und Stoffolge war zweifellos die allgemein rezipierte Mischna, die in der Tat eine Originalschöpfung eigener Art darstellt, und auch in redaktioneller Hinsicht keine Parallele zur Redaktion der Gemara abgibt: Die Mischna ist als geltender Gesetzeskodex in die Erscheinung getreten, durch bewußte planmäßige Selektion entstanden; sie ließ hinter sich eine ganze Literatur, tannairische Midraschim und verschiedene Borajtasammlungen, die auch weiter, neben der Mischna, ihren eigenen Bestand be- ־»23

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