Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 5)
- Language
- German
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354 Michael Guttmann Wir sehen den weiteren Heften mit besonderem Interesse entgegen. Die Annahme, daß schon aus Schwankungen in der mündlichen Urtradition mehrere Schrifttexte geflossen sein können, gewinnt immer breiteren Boden. Die Reichhaltigkeit und Genauigkeit der Variantenbuchungen F.s liefern sehr wertvolle Anhaltspunkte auch zur Klärung dieser Frage. Der Misnatraktat Tamid (Text nach einer Vatikan-Handschrift nebst variae lectiones aus 12 Talmud- und Misnahandschriften sowie ältesten Drucken mit erstmaliger Anführung von Paralleltexten aus beiden Tal müden, Tosaepta, Midras und anderen). Üb ersetzt, kommentiert und mit Einleitung versehen von Dr. A. Brody (Uppsala 1936) Almqvist u. Wikseils B o k r y c k e r i - A.-B. Dieser Traktat hat in kurzer Zeitfolge mehrere Bearbeitengen und Ausgaben erlebt. Im Jahre 1920 (1919) hat ihm Louis Ginzberg eine eingehendere Studie gewidmet: ״Studies into the Origin of The Mishna, I. Tamid. The Oldest Treatise of The MishnaT Im Jahre 1925 ist bei Itzkowski-Berlin der Traktat in der Bearbeitung von J. Cohn erschienen, 1928 bei Töpelmann- Gießen, bearbeitet von Oskar Holtzmann. A. Brody hatte es also keineswegs leicht, grundsätzlich Neues zu bieten. Und doch hat die neue Ausgabe ihren Wert. B. hat zunächst auf die Wissenschaftlichkeit der Edition großen Wert gelegt, die erreichbaren Handschriften und Drucke viel vollständiger gebucht als seine Vorgänger und ihnen gegenüber eine freie kritische Stellung eingenommen. Der Gießener Ausgabe gegenüber hat er nicht nur die größere Vollständigkeit des kritischen Apparates voraus, sondern die Erkenntnis, daß man zum tiefem Verstandnis der Mischna ohne genaueres Eingehen auf das talmudische Schrifttum nicht gelangen kann. Eine Philologie, die an der Tradition vorbeigeht, ist hier umso weniger am Platz, als es sich ja um ein mündlich aufbewahrtes Wissensgut handelt. B.s Einleitung und Erklärungen sind recht wertvoll. Man gewinnt ein klares Bild von den Handschriften und dem Charakter des in den Talmudausgaben aufbewahrten Mischnatextes. Der gewissenhaft durchgeführte Variantenapparat zeigt, daß wir in