Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Stilkritisches zum jüdischen Gebet
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 11)
- Language
- German
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Stilkritisch.es zum jüdischen Gehet 349 christlichen Gebeten ihren alten Charakter bewahrt, während sie uns im jüdischen Gebet gleichsam nur rudimentär, als Überleitungssätze, erhalten sind11.— ״Altkirchlicher und synagogaler Kultus erscheinen als diver״ gierende Weiterbildungen auf einer und derselben Grundlage/' So bemerkt mit Recht auch A. Baumstark, gegenwärtig der beste Kenner der altchristlichen Liturgie, in einem mir erst nach Ab״ Schluß meiner Untersuchung zugänglich gewordenen Aufsatz ״Wege zum Judentum des neutestamentlichen Zeitalters" (Bonner Zeitschrift für Theologie und Seelsorge IV 1927) S. 31. Auch Baumstark weist nachdrücklich auf die ״Einseitigkeit" hin, mit der in nachchristlicher Zeit ״die formale Gestaltung der synagogalen Gebetsrede durch die typische Form der söge״ nannten Berakha beherrscht wird" und hält eine freiere und ab״ wechslungsreichere Formengebung für das Ursprünglichere. Ob freilich die strengere Typisierung mit antichristlichen Tendenzen in Zusammenhang zu bringen ist, wie dies Baumstark — im Rah״ men seines kurzen Aufsatzes naturgemäß ohne Beweis — ver״ mutet, bleibe dahingestellt. Übrigens gewahren wir eine Vereinheitlichung in der For״ mengebung der Schluß״Doxologien sehr früh auch auf der Christ״ liehen Seite, nämlich in der Meßliturgie des achten Buches der Apostolischen Konstitutionen, der einzigen, der man ein noch höheres Alter als der des Jakobus zuzuschreiben pflegt12. Die Schluß״Eulogien lauten in den Apostolischen Konstitutionen ähnlich wie in der Römischen Messe ött aoi 80|a... oder... §130u aot Öd£a..(vgl. den oben erwähnten zweiten bzw. dritten Typus der Jakobus״Liturgie). 11 Für das innere Verständnis des Besprochenen ist es nicht unwesent״ lieh,, sich zu vergegenwärtigen, daß seit alter Zeit im jüdischen, Kultus ähn״ lieh wie in christlichen Riten in der Regel der Hauptteil des einzelnen Gebetes leise gesagt wird, was wahrlich nicht dazu bestimmt war, un״ würdiger Hast Vorschub zu leisten, sondern im Gegenteil andächtiger Ver״ Senkung in die Gedanken des Gebets Raum gewähren sollte. Der Vor״ betende hat alsdann seine Stimme auf die Schluß״D'oxologi!e hin zu erbeben und, wenn mehr als eine vorliegt, schon die erste, also z. B. schon den אתה *o״Satz laut zu sagen. Baumstark, Die Messe im Morgenland!, S. 29 ff.