Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Stilkritisches zum jüdischen Gebet
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 5)
- Language
- German
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Stilkritisches zum jüdischen Gebet 343 ״Du bist (der und der)“ unhellenisch sei und zu den Eigenheiten des spezifisch orientalischen, besonders auch des jüdischen Gebetsstiles gehöre. Man wird dem zustimmen müssen, und wir wollen noch hinzufügen,, daß in den offizielleren Teilen des jüdischen Gebetbuches Preisbenediktionen, soweit sie nicht mit ברוך »תה י׳י eröffnet werden, überaus häufig mit אתה beginnen; es handelt sich dabei übrigens nicht nur um Nominalsätze, sondern auch um Verbalsätze vom Typus ״Du hast das und das getan“. Fälle solcher Art sind אתה זוכר׳ אתה■חמן, אתהקדוש, אתה גבוד אתה יצרח, אתה קדשת, אתה בחרתנו, אתה נגלית,. Es ist sehr charakteristisch, daß die vierte Benediktion der Werktags-Tefilla in Anlehnung an die vorhergehenden mit אתה! einsetzt, also als Preisgebet beginnt, um jedoch in ihrem Verlauf in Vorbereitung der folgenden zum Bittgebet zu werden2. Ähnlich steht es mit den mittleren Benediktionen der Sabbate und Festtage. Die kategorische Du-Prädikation am Anfang der Benediktion gehört also zum Stil der Preisgebete, während die kausale Du-Prädikation gegen Ende eine Eigenart der Bittgebete ist. In Preisgebeten begegnet uns das Schema nur in abgewandeiter Form zweimal, wenn anders wir den Satz כי הוא לבדו פועל גבורות des Jozer sowie den Satz כי הוא זן ופיפדנם לכל des Tischgebetes hierherziehen dürfen. Zum ältesten Bestand des Jozer oder des Tischgebetes gehören diese beiden Sätze übrigens kaum3, doch entstammen sie wohl spätestens der frühgaonäischen Zeit. — Alles bisher Gesagte ruht nun mehr oder weniger auf der zu Beginn dieses Aufsatzes vermerkten Voraussetzung,, daß der אתה ^'Satz ein Überleitungssatz sei, daß er die Funktion habe, zwischen dem Hauptteil der Benediktion und der Schluß-Eulogie zu vermitteln. Diese Voraussetzung dürfte ja auch zutreffen, soweit nur unser Gebetbuch in Frage kommt, und soweit wir nur die Entwicklung betrachten, die sich innerhalb der Geschichte dieses jüdischen Gebetbuches abspielt. Aber die Dinge 2 Der palästinische Ritus (Finke Is-tein JQR, NS XVI $. 146f.) läßt die vierte Benediktion aber mit חנינו beginnen. 3 Vgl. Elbo g en, Studien zur Geschichte des jüdischen Gottesdienstes 1907, S. 20 und F i nk e 1 s t e in JQR, NS XIX S. 223.