Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 25)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 329 die nicht im Bilde des Herausfließens von Form aus Form erfaßbar sind. Während die Sphären bei Maimuni in der Stufenfolge der Emanationen ihre eindeutige Reihenordnung besitzen, sind die Sephirot der Kabbala trotz ihrer Stufenordnung je unmittelbar zum ״En Sof“, eben relativ selbständige Potenzen im Gesamtbereich der Manifestationen. Nur so kann es ja zur Verselbständigung der ״linken Seite“ zum Urbösen, zur ״anderen Seite“, zur Dämonie des Abfalls kommen. Die ״Sphären“ haben in der Tat nichts mit den ״Sephirot“ gemeinsam. Die zehn Sphären Maimunis sind ontologische Seinsstufen, die Sephirot theosophische Attribute. Zwar findet sich auch in der jüdischen Mystik das plotinisch-maimonidische Bild von der Emanation als ״Quelle“66. Aber die Substanz dieser Emanation hat hier den mystischen Sinn der Beracha67. Der Segen aber ist nicht das Selbstverständliche, natürlich Aus- und Zufließende. Während Maimuni das ״Wasser der Quelle“ sich frei nach allen Richtungen ergießen läßt, wird es hier in ״Kanäle“ geleitet. Der Buchstabe כ ist z. B. das Symbol der Röhre, die oben aufnimmt und unten zuleitet68. Der Strom der Gnade kann so durch Welten rinnen, ohne sie zu speisen, denn erst am Ende der Röhre wird der Zustrom wirksam. Das Emanationsmotiv steht also nicht mehr im Dienste einer alles harmonistisch einbeziehenden Theodizee, sondern dient der Beschreibung eines Mysteriums. Dieser Sinn konnte nur auf dem Grunde einer Seelenhaltung erwachsen, in der die gnostische Lebensangst noch nachzitterte69. Das Dämonische weckt hier die Sehnsucht nach der Gnade. Hier ist auch der Quellpunkt der Magie, für die es vom Lebensgefühl Maimunis aus keinen sinnvollen Ansatzpunkt geben konnte. Nach Maimuni ״empfängt Gott keine Gegenleistung, wird Gott nicht 86 Vgl. Bahir §§ 4, 82, 85, 89. 07 Vgl. die bereits midraschische etymologische Deutung ללי•?ל.5די?" Scho lern, Bahir § 90 Anm. 10. 68 Vgl Bahir §13, 82. 89 Vgl. Scholem, Geheimnisse der Schöpfung, S. 38. — Zur Terminologie des Bahir, dler statt des philosophisch gebräuchlichen השפיע häufiger die Verba הריק שאב יבק verwendet, vgl. Bahir § 56 Anm. 4, 89. Auch diese Terminologie läßt Schlüsse auf die existentielle Haltung zu.