Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 21)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maitnunis zur jüdischen Mystik 325 verständlich, daß der Begriff der Emanation bereits in seiner ursprünglichen plotinischen Konzeption55 uneinheitlich, ja doppelsinnig ist. Er stellt, wie uns scheint, einen nicht zur Losung gelangten Kompromißversuch zwischen der gnostischen und der klassisch-griechischen Haltung dar. Jedenfalls erscheint der Begriff der Emanation nach zwei Richtungen auslegbär: nach der des ^äbsinkenden Urpiteumas“, also im gnostisehen Sinne eines tragischen Schicksals, eines Verfalls von Stufe zu Stufe> andererseits nach der des ausstrahlenden Ureinen, das trotz der Emanation unverringert bleibt und in der Ausstrahlung positiv sich selbst entfaltet5**. Die gnosti sehe Bedeutung wird fühlbar, wenn Plotin von der Frage ausgeht, was denn die Ursache sei, daß die Seelen den Vater, Gott vergessen, und als Antwort die Gesunkenheit der Seele bespricht (Enn. VI). Die metaphysische Erkenntnis hat daher bei Plotin einen ausgesprochenen Erlösungscharakter, der nur auf dem Grund einer gnostischen Erlösungssehnsucht verständlich wird. Die Loslösürtg der Seele von der Sinnen Welt bis zur Ekstasis bedeutet daher den Akt einer Wiederherstellung, einer Rückkehr in die Heimat, ein Erklimmen des Urstandes57. Bei Maimuni fällt diese gnostische Seite des Emänations- und damit auch des Erkenntnisbegriffs weg. Der dramatische Charakter der metaphysischen Erkenntnis im Sinne eines Erlösungsmysteriums fehlt daher. Die Funktion der Erkenntnis ist die völlig undramatische Erwerbung der Unsterblichkeit durch die Aktualisierung der Vernunftanlage5?. 55 Die bisherigen: Forschungen Jonas’ weisen auch in diese Richtung. Vgl. über Plpäh bei J o n a s S. 1547 168 ff. Bö Plotin selbst sucht den Abstiegscharakter der Emanation mit ihrem Entfaltungscharakter zu versöhnen־. Vgl. Plotins Schriften^ übers, von R i c har d H a r d e r, PhiL BibL, Nr. 211a, S. 75 ff. — Auf den Widerspruchs״ vollen Charakter des plotin. Emanationsbegriffs hat bereits C. Sauter, Der Neuplatonismus, seine Bedeutung für die antike und mittelalterl. Philos., Philos. Jahrbuch, Fulda, 1910, S. 371 r 396 aufmerksam gemacht. 57 Vgl. bei Harder S. 56, 69ff., 105. - 58 Selbst im Messianismus M.s fehlt völlig der dramatisch-apokalyptische Sinn, der die Gesunkenheit und Verworfenheit der Welt zur Voraus- Setzung hat. Vgl. Hilch. Mel. XH, sowie die antiapökalyptische Stelle in More II 29. — Zum Erlösungs-Motiv in der Gnosis vgl. Jonas a. a. O., S. 165, 196 ff.