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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 324

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 324 (sequence 20)
Language
German
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324 Alexander Altmann Rechte als bisher angenommen werden, daß die Geistesrevolu״ tion, die durch den Namen der Gnosis bezeichnet wird, tiefe Spuren auch im jüdischen Denken hervorgerufen hat. Die Apo* kaiyptik der biblischen, pseudepigraphischen und talmudisch״ midraschischen Literatur zeugt davon. Wahrscheinlich ist aber, wie uns scheint, die Aktualisierung dieser gnostlschen Haltung tiefer fundiert als in einem zeitbedingten Einfluß: nämlich in der dem Menschlichen überhaupt latent eigentümlichen Be״ ziehung zum Dämonischen, die Wohl aus urzeitlichen Erlebnissen her nachwirkt52. Wie. immer die jüdische Mystik das Problem des Bösen spekulativ bewältigt hat53, so. bleibt der ursprüngliche Realitätscharakter dieses Phänomens stets erhalten; Maimuni hingegen bedeutet insofern seiner Haltung nach den Gegen״ pol zur jüdischen Mystik, als deren gnoätische Antriebe aus seinem Denken ganz und gar getilgt erscheinen. Er ist seinem Existenztypus nach durch und durch harmonistisch. In ihm ver״ bindet sich die biblische Tradition; die der Schöpfung das Prä״ dikat des Guten und Zweckmäßigen ■ verleiht,י ־■ mit ־•'•der klassisch״ griechischen Tradition von der Harmonie des Kosmos54 zu einem enthusiastischen Optimismus, dessen Erlebniskraft in der be״ rühmten Theodizee zum Ausdruck kommt (More III 12). Entscheidend für diese harmönistische Sicht; ist der Begriff der E m a n a t i o n. Er taucht sowohl in der Kosmologie wie in der Prophetologie und schließlich in der Lehre von der Vor״ sehung auf, stellt also die zentrale Achse des Systems dar. Da der gleiche Begriff auch in der jüdischen Mystik eine wesentliehe Funktion besitzt, könnte man versucht sein, hier an eine inhaltliche Identität zu denken. Aber gerade der gemeinsame Begriff der Emanation enthüllt die Wesensdifferenz der Hai״ tungen. Dieser Sachverhalt wird geistesgeschichtlich dadurch 52 Vgl. hierzu Edgar D a c g u e, Urwelt, Sage und Menschheit, S. 258ff.; Oskar Goldberg, Die ,Wirklichkeit der Hebräer. 53 Vgl. hierzu Neumark a. ■a. O., S. 173, 179. Neumarks Versuch, auch bei M. einen Anklang an die LehrevomZimzum festzustellen, halten wir für ein prinzipieUes VorheiseKen an der entscheidenden Differenz der Haltung. 54 Zum griechischen Harmoniebegriff vgl. J>o n as a.:a; O., S. 519 ff. — Über die geistesgeschichtlichen Konsequenzen der biblischen Weltentgött״ lichung vgl. ebenda, S. 176 Anm. 2.

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