Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 323

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 323 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2830015-2830020-2840255--54155-2840300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 323 möglich, die konkrete Gestalt der jüdischen Mystik in ihrer Grundhaltung von der philosophischen Denkform abzuheben. Die Philosophie ist ja nicht, wie Neumarks Konstruktion will, das Herauswachsen;des monotheistischen Denkens aus kabbalisti״ scher Mythologie und im Ringen mit ihr, ebensowenig wie die Kabbala den bloßen Rückfall in die Merkawamystik darstellt40. Beide stehen vielmehr im Bereich zweier verschiedener und sich jeweils autonom entwickelnder Denkgesetzlichkeiten. Ihre Struk״ turen sind; von I einander unabhängig. Ihre Inklinationen für geistesgeschichtliche Strömungen folgen daher verschiedenen Gesetzen, Im gleichen kulturgeschichtlichen Raum stehend (wie etwa im Spanien und in der Provence des 12./13. Jahrh.) unterliegen sie gleichwohl verschiedenen Einflußrichtungen. Es ist eben, wie dies :Hans Jonas in der methodologischen Ein״ leitung zu seinem Gnosis-Buche50 dargelegt hat, primär die Grundbefindlichkeit des Daseins als solche für das Relevant״ werden eines ״Motivs" entscheidend. In solchem Sinne haben zweifellos Philosophie und Mystik des Judentums grundverschiedene Daseinshaltungen zur Voraussetzung51. Wir wollen das Wesentliche sofort herausstellen. Es han״ delt sich uni eine D i V e r g e n z der E r 1 e b n i s ha 11 u n g, di e ihren tiefst e־n Punk t i m Verhäl tni s de s Sub״ j ek t s z u m Ph ä n o m e n des ״B ö s e n" h a t. In der jüdi״ sehen Mystik wird das Böse als reale Existenz erfahren. Ein entscheidender Antrieb zur Spekulation ist das Erlebnis der Dämonie des Daseins. Hier wirkt ein gnostisches Erbe. Es kann nach den Untersuchungen Hans Jonas’ mit noch größerem 49 Es : ist das Verdienst S c h o 3 em s, diese Konstruktion durch die reHgionsgeschichtliche Betrachtungsweise der Mystik ersetzt zu haben. Vgl. seine Schrift ״Zur Frage der Entstehung der Kabbala‘" in Korresp.״Blatt d. Ak. d. Wiss. d. Jud. 1928. 50 Hans J ת ס ä s, Gnosis und spätantiker Geist, Teil 1, Die mythologische Gnosis, 1934, S. 1—91. f1 Neumarks Hinweis auf die häufige Personalunion von, Philo« sophie und Mystik stellt deshalb keinen Ein wand dar, weil der Sprung oder die Entwicklung von!einer Daseinshaltung zur anderen psychologisch mög״ lieh ist. Man denke an den Schelling der Wissenschaftslehre und den der Freiheitslehre. Keinesfalls läßt sich von der Tatsache der Personalunion auf die Identität der objektiven Strukturen schließen. 21*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.