Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 18)
- Language
- German
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322 Alexander Altmann Schnees als der reinen Finsternis. Aus ihr ist die irdische Weit geschaffen. (Vgl. indes bei M. die Gleichsetzung der Finsternis mit dem Elementar« feuer II 30.) Diese Finsternis ist aber identisch mit der היצר ro, was auf Grund der Aussage כי היצר חכם im Hinblick auf Mare II 14 (ד״טבעתכם) nichts anderes als die כח הטבע bedeutenkann. A. entwirft also eine dem M. völlig fremde Dreistufenlehre: reines Licht (Gatt) — Licht vermischt mit Finsternis (Himmel) —־ reine Finsternis (Natur der irdischen Materie). (Vgl. עולם היצירה als 5. (letzte) Stufe in Abr. b. Chijjas System der fünf Lichtwelten, Megiliat ha~Megalleh, ed. Poznanski« Guttmann. Hierzu Scholem MGWJ 1931, S. 172 ff.) Diese letztere ist ,*,wie Schnee, der schmilzt und zu Wasser wird, will sagen, zu seiner ersten Natur zurückkehrt, nämlich Wasser in der Potenz, nicht in der Aktualität“. D'amit hat A. die Stelle Chag. 14b von seinem System aus gedeutet. Sie warnt vor der Gleichsetzung des oberen (hier aktuellen) Wassers mit dem unteren (hier potentiellen). Umgekehrt also wie bei Mv für den die oberen Wasser die potentiellen, die unteren die aktuellen sind. Diese Umkehrung steht auch in Zusammenhang mit einer Deutung, die A. der Stelle b. Chag. 12a תהו קו ירוק שמקיף אח כל העולם כולו שממנו־ יצא חשך י * בהו אלו אבנים המפולמות המשוקעות בתהום שמהן יוצאין מים gibt. Hiernach mußte (zumal , wenn man in Rechnung stellt, daß A. die Bahirstelle § 2 mit den übrigen Kabbalisten im Sinne von Materie (תהו) und Form (בהו) interpretiert hat, vgl. Scholem, Bahir § 2, Anm. 1) die Sphäre der אבנים die der aktuellen Formung sein. Der Unterschied seiner Interpretation gegenüber dem von M. Gemeinten ist also ganz beträchtlich. Für M. bedeuten die oberen Wasser etwas rein Physikalisches, für AJ sind sie ein kosmisches Symbol. Sie bezeichnen die aus polaren Elementen (Leben — Tod, Weisheit — Torheit, Kraft — Ver« fall) zusammengesetzten aktuell formenden Kräfte, die sich auf die WeLt der Materie herabergießen. A, hat also eine naturwissenschaftlich auf klärende Deutung M.s allegorisiert. Das Geheimnis, das M. aufgehoben hatte, ist — und zwar in durchaus mystischer Weise —״ wiederhergestellt. Das oben in extenso ausgeführte Beispiel, das wir auch für die übrigen Themata der 36״ Geheimnisse'' ähnlich durchführeri könnten, beweist, daß die mystische Interpretation Maimunis durch Abulafia nicht etwa auf der Linie der Verlängerung oder Vertiefung seiner ausgesprochenen Gedankengänge liegt, son« dern eine grundsätzliche Umbiegung, eine fxetdßaoig 8!§’ äXXo yevog darstellt. Der letzte Grund hierfür liegt in der prinzipiell ver« schiedenen Grundhaltung von maimunischer Philosophie und jüdischer Mystik. 3. Die Differenz der existentialen Grundhaltungen. So schwierig es ist, den kontemplativen Mystiker vom kontemplativen Philosophen typologisch zu scheiden, so ist es doch