Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 17)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 321 Pirke d. R. El, c. 3 fortgeführt. Die Erkenntnis habe sich auf das Wesen der niederen llrmaterie bezogen. לבנת bezeichne die Materie der Erde, die dem Schnee unter dem göttlichen Throne entstamme. {לבנת bedeutet hier im Widerspruch zu I 28 das Weibe.) Völlig unabhängig von dieser Spekulation zu Ex. 2410 ist die Ausdeutung von Gen 17. Auch diese Stelle wird zu den ״verborgenen Geheim״ nissen“ gerechnet. (II 30.) Zu ihrer Interpretation wird die bekannte (nach Graetz und Joel gnostische) Stelle b. Chag. 14b (כשאתם מגיעים לאבני שיש טהור) herangezogen. Das Ergebnis ist, daß es eine gemeinsame Materie gibt, die die Schrift ״Wasser“ nennt, die aber durch dreierlei Formen unterschieden wurde, so daß ein Teil Meere, ein Teil Wölbung und ein Teil Wasser über der Wölbung darstelle. Das Wasser oberhalb der Wölbung sei aber keines״ wegs das spezifische Wasser, sondern potentielles Wasser, Wasserdunst. Der Ausspruch R. Akibas hat also einen rein physikalischen Sinn, M. beruft sich auf Aristoteles’ Metereologie und auf die ״Männer der Wissenschaft“. Hier ist in der Tat ganz und gar kein Ansatzpunkt für mystische Inter״ pretationen. Wie stellen sich nun diese Deutungen nach Abulafia dar? A. (Hs. 408 Bl. 60a—61b) verknüpft die oben erwähnten, von einander völlig unab״ hängigen Sp ekulationen. Er stellt dem לבנת הספיר einen א ב ן ה ס פ י ר gegenüber. Die Analogie wird begründet mit dem gemeinsamen Targum> was sich zweifellos auf More III 6 bezieht, wo allerdings der gleiche Targum auf לבנת הספיר und אבן תרשיש geht. Offenbar aber wird hier תרשיש und שיש gleichge״ setzt. Diese Gleichsetzung ermöglicht die Inbeziehungsetzung der Spekulationen über לבנת הספיר und אבגי שיש. Die Analogie, aber zugleich auch wesenhafte Unterschiedlichkeit von אבן und לבנת wird geistvoll gestützt durch hoanile״ tische Heranziehung von Gen 113 ff. Sogleich schlägt jedoch dieses ana״ logisch״gegensätzliche Begriffspaar in einen Dualismus um. Die beiden Begriffe werden zu Bezeichnungen der konträren Potenzen des kosmolo״ gischen Prozesses. Von ihnen her werden die oberen, bzw. die unteren Welten geschaffen, (והבדל גדול בין שניהם שמזה נבראו העליונים ומזה נבראו התחתונים אלה חיים ואלה מתים אלה חזקים באבן ואלה חלשים כלבנה " " *) Das bedeutet nicht, wie in M.s Interpretation von Pirke d. R. E., auf die A, hier anspielt, die llnterschei״ düng der Himmelsmaterie von der irdischen, also eine b!cß kosmologische Stufung, sondern bereits das volle Hereinbrechen der mystischen Konzep״ tion eines ontologischen Dualismus. Licht und Dunkel, Leben und Tod, Kraft und Verfall sind die Signaturen dieses Gegensatzes. M.s Stufung des Weltganzen in die Sphären weit und die sublunarische Welt erfährt eine neue Sinngebung, einen neuen Akzent der existentialen Deutung. A. ist sich offenbar keiner Übersteigerung in seiner Interpretation bewußt. Ganz be״ sonders deutlich aber wird sein Hinausgehen über die Intention M.s, wenn nun sofort Licht und Finsternis als Allegorien der חכמה und der סכלות be״ zeichnet werden, deren Verbindung in den שכלים als das Prinzip selbst (der himmlischen Welt im Gegensatz zur reinen Lichtsphäre Gottes behauptet wird. Ihren Abschluß findet diese Gedankenreihe in der Deutung des Monatsschrift, 80. Jahrgang 2!