Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 15)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 319 feststellen, daß in ihnen so gut wie keine mystischen Motive zu finden sind. Weder die Kosmologie noch die spezifische Theo״ logie greifen über das neuplatonisch-aristotelische System in einer Weise hinaus, die mystische Motive, wie wir sie etwa im Bahir an treffen, entscheidend verwertete. Motive, wie die des Weltenbaumes37, der Kanäle38, der Sephirot”0 u. a., fehlen vollständig. Von der sprachmystischen Kosmogonie, dem A und O der Kabbala, ist keine Spur zu entdecken. Sprache, Schrift und Zahlen entbehren jeglichen Symbolcharakters. Die Sprachen sind ihm ״Dinge der Übereinkunft, nicht aber, wie manche von jeher glauben, etwas . Natürliches"40. Die ״Heiligkeit" der hebräischen Sprache erfährt im Rahmen dieser Ursprungstheorie der Sprachen eine vollkommen unmystische Deutung"41. Der Sinn der Gottesnamen ist ihm etwas, ״worin kein Geheimnis (כפא(, liegt"42. Eine Ausnahme bildet lediglich das Tetragramm43. Aber wenn Maimuni bei dessen Interpretation auch auf die talmudische Überlieferung von der Wirkung der Kenntnis des Namens (b. Kidd. 71a) zu sprechen kommt, so wird die zweifellos gnostisch-magische Intention44 dieser Stelle völlig verharmlost45. Auch in der Explikation der Merkawalehre vermissen wir die eigentlich mystischen Lehrstücke. Die hochmystische Lehre von den Erzvätern z. B. (״Die Erzväter, sie sind die Merkawa"), die, aus Gen r. 47, 8 und 82, 7 stammend, bereits bei Barsilai, in der M. Azilut und im Bahir als klassische Formel einer mystischen Symbollehre eine große Rolle spielt46, entbehrt 37 Bahir ed. Scholem §§ 14, 15, 64, 67, 85, 118. 38 Bahir §§ 13, 82. 30 Bahir, §§ 87, 89, 92 ff., 102 ff. 40 More n 30. 41 Durch den Hinweis auf den Mangel ursprünglicher Worte für das Obszöne, vgl. More III 8. Vgl. den Widerspruch dagegen bei Ramban Ex. 30, 13, ferner Pseudo-Rabed zu Jezira I 10. 42 More I 61. 43 Ebenda. Auf das- Tetragramm bezieht sich wohl auch die Stelle I 35, wo die Bedeutung der Gottesnamen ungenau zu den Geheimnissen der Lehre gerechnet wird. 44 Vgl Joel a. a. O., S. 121. 45 Vgl. dagegen die durchaus gnostische Akzentuierung dieses talm. Satzes in Bahir § 80. 46 Vgl. N e u m a r k a. a. O., S. 177, 181, 184.