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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 318

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 318 (sequence 14)
Language
German
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318 Alexander Altmann prophetische Kunde je ersetzen könnte, aber er gelangt wenigstens auf die Stufe der selbständigen Interpretation des ״Geheimnisses", also zu einer gewissen Kongenialität mit dem Propheten. Abr. Abulafias Konzeption der ״prophetischen Kabbala" (קבלה נבואית) dürfte daher nicht so sehr im Anschluß an Maimunis Theorie der Prophetie als vielmehr an seine Lehre und sein Beispiel von der Ersatzmöglichkeit der Überlieferung durch die spontane Rekonstruktion entstanden sein35. Der Weg von der Rekonstruktion des prophetisch Gemeinten zur Konstruktion einer neuen Prophetie war nicht sehr weit. War so der More seinem Anspruch nach nichts anderes als das Wagnis der Rekonstruktion der Verl o r en - gegangenen Uriiberlieferungen iiberdie ״G e - heimnisse der Tora“, so rückt zugleich die geistige Gestalt Maimunis in den Aspekt einer mystischen Figur. Indem er eine neue Kette von Wissenden beginnen will, wird er selbst zum Weisen, zum Meister der Überlieferung. Von hier aus erst wird die literarische Briefform des More voll verständlich. Seine Lehrweise ist an das Gesetz der doppelten Esoterik gebunden. Der More spricht nicht für die große Masse, aber mehr, er lehrt einen Jünger, der erwählt ist. Nicht alles ist daher im More ausgesprochen. Der Jünger muß weiter folgern. Hier hat die jüdische Mystik viel von ihrem eigenen Pathos verspürt. Sie war bereit, den Andeutungen nachzugehen. Maimuni selbst hatte sie dazu ermächtigt. 2. Der spekulative Gehalt der ״Geheimnisse". Was ist das Ergebnis der von der lebendigen mystischen Tradition des Judentums losgelösten, selbständigen Spekulation Maimunis über die Geheimnisse der Tora? Ist M. B. und M. M. in der Deutung Maimunis als mystisch im Sinne des literarhistorischen Sachverhalts der jüdischen Mystik zu bezeichnen? Maimuni definiert an vielen Stellen des More M. B. als die ״Natur- Wissenschaft", M. M. als die ״Wissenschaft von den göttlichen Dingen"36. Eine Analyse dieser Lehrstücke bei Maimuni muß 35 Vgl. Abulafia a. a. O., S. 12, wo auf More I 34, also auf das Kapitel vom ״Weisen‘1 rekurriert wird. 36 More Einl., I 33, 34, 63, Jes. ha Tora II 11, IV 10.

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