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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 317

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 317 (sequence 13)
Language
German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 317 Im vollen Bewußtsein dieses Mangels an Überlieferung und zugleich getrieben von diesem Bewußtsein geht Maimuni an die Deutung der prophetischen Berichte heran. Er ist sich dabei der Fragwürdigkeit seiner Exegese durchaus bewußt32. Aber er wagt es, die Bahn spontaner Erarbeitung zu beschreiten, und zeigt damit die Möglichkeit, an die Sphäre der ״Geheimnisse“ in spekulativ-schöpferischer Haltung heranzugehen. Maimuni gab das Beispiel, wie etwa die Sphäre der Merkawa von philo״ sophischem Untergrund her erschlossen werden könne. So sehr er die mystische Kontemplation, die der Einbildungskraft die Zügel schießen läßt, ablehnt, so sehr läßt er die Konstruktion der Merkawadeutung gelten, die auf wissenschaftlichen Vor״ Studien aufgebaut ist. Mag auch das Ergebnis solcher Spekulation, wie im folgenden gezeigt werden soll, alles andere als mystisch sein, so konnte sich doch die weitere Entwicklung der jüdischen Mystik bei ihrem Wagnis, von philosophischen Motiven her kontemplativ in die ״Geheimnisse der Tora“ einzu״ dringen, durchaus auf Maimuni berufen. Auch wo sie ganz andere Denkmethoden anwandte, stand sie durchaus noch in maimunischer Tradition33. Auch dort, wo Maimunis Konstruk״ tionen ihren autoritären Überlieferungen widerstritten, brauchten sie in ihm nicht einen Gegner ihrer Lehre zu sehen, sondern konnten mit der Nachsicht derer, die das von Maimuni schmerz״ lieh vermißte Gut der Überlieferung in der Hand hielten, ohne ״Grübelei und ermattendes Denken“34 die wahre Deutung an die SteLle der vermuteten setzen. Der ״Weise“ rückt vermöge dieser Aktivierung ins Schöpfe״ rische hinein auf die Ebene des Propheten. Nicht daß er die 32 ״Es ist aber auch möglich, daß es sich anders verhält und־ etwas anderes gemeint ist.“ Einl. zu III, ebenso III 4 Ende1. 33 Es wäre daher kein Zufall, wenn nach S c h o 1 e m, Die Geheimnisse der Schöpfung, ein Kapitel aus dem Soharr 1935, S. 17, der Verfasser des Sohar von Maimon.ides״Studien ausgegangen sein sollte. 34 Mit Vorliebe wird dieses Moment von der Mystik gegenüber der ״Leichtigkeit“ ihrer Erkenntnisgewiimung betont. Vgl. M. i. Gahbai! a. a. O., S. 151, Abr. Abulafia, Sendschreiben über Philosophie und Kabbala, abgedr. bei Jellinek, Philosophie und Kabbala, I, 1854, S. 6 ff. Demgegenüber wird im Bahir (§§ 46, 100) nicht unterlassen, darauf hinz׳uweisen, daß auch in der mystischen Kontemplation der Irrtum unvermeidlich sei.

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