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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 316

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 316 (sequence 12)
Language
German
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316 Alexander Altmarvn Überlieferung mehr (More II 11,1 71). Keinesfalls kann er daher die nachtalmiidische Mystik als im Besitz einer echten Tradition anerkennen. Seine Geschichtsauffassung vom Zerfall der metaphysischen Tradition verhindert dies. Wenn schon die talmudische Zeit seiner Meinung nach nicht mehr im Vollbesitz der Tradition war, wie sollte ihm die anspruchsvolle Mystik der gaonäischen Epoche Vertrauen einflößen. Für Maimuni erstreckt sich ja auch die Verbindlichkeit der halachischen Literatur nur bis zum Einschluß des Talmuds. Die gesamte nachtalmudische Halachaliteratur hat für ihn, dessen kompendiarischer Mischne Tora ausdrücklich das Schlußsiegel hinter die talmudische Zeit setzt30, keine autoritative Bedeutung. Die Äußerung, daß über diese metaphysischen Dinge niemals ein Buch geschrieben worden sei (Einl. zu III), enthält also zweifeilos eine Spitze gegen die mystische Literatur seiner Zeit31. Der Charakter der mündlichen Überlieferung, der der Metaphysik der ״Geheimnisse der Tora" eignet, vereitelt die Anerkennung der zeitgenössischen literarisch niedergelegten Mystik. 30 Vgl. A. Schwarz, Das Verhältnis Maimunis zu den Gaonen, in ״Moses ben Maimon“, I S. 332ff. — Vgl. auch W. Bacher, Die Agada in Maimunis Werben, ebenda II, S. 131 ff. Bezüglich des Verhältnisses zur Agada vgl. bes. More II 30, Kobez I 34b, H 26a. 31 Daß Maimuni diese mystische Literatur kannte, geht aus seinem energischen Kampf gegen sie hervor. Die Schiur-Koma-Mystik gilt ihm als Ausgeburt eines Darschan. Vgl. Graetz, MGWJ, 1859, VIII, S. 114. — Die Hechalot, die für Barsilai als volltalnurdisch gelten׳, (vgL. N e u m a r k a. a. O., S. 175) und denen Ramban eine mündliche Urtradition zum Pentateuch zugrunde legen will (Derascha, ed. Warschau 1875, S. 26) werden von M. nicht erwähnt. Die hypothetische Leugnung des talmudischen Charakters der Hechalot geht übrigens bereits auf Saadia zurück. Vgl. Graetz a. a. O., S. 109. — Die Pirke de R. Elieser, die M. als tanaitisch gelten, werden stark beachtet. Vgl. More I 61, 70, II 10. In II 62 ergibt sich gerade aus dieser positiven Wertung das große Befremden, das aus diesem inhaltliehen Zusammenprall mit einer ausgesprochen mystischen Konzeption entstehen mußte. Vgl. auch Kobez II 24b. Allerdings ist die Lehre vom Licht als Urstoff ein altes midraschisches Motiv. VgL hierüber V. A p t o - witzer, Zur Kosmologie der Agada, Licht als Urstoff, MGWJ 1928, S. 363 ff. ־— Daß M. die mystischen Schriften über die Permutationen der Gottesnamen gekannt hat, geht (gegen den Zweifel Munks I S. 2754) aus dem Schluß von I 62 klar hervor. — Zur Frage, ob M. das Buch Bahir gekannt habe, vgl. Narboni zu More I 62, Weiß ebenda, S. 23018, S c h o 1 e m, Bahir § 803.

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