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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 4 · p. Seite 315

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 4
Article
Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
Date
1936-01-01
Page
Seite 315 (sequence 11)
Language
German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen M5rstik 315 gewinnt, wie bereits gezeigt, das esoterische Formprinzip, das er aus der mystischen Tradition, freilich ohne deren Sinnstruktur, übernimmt, seinen Platz im Aufriß des maimunischen Systems. Zugleich aber wirkt sich der paradoxe Sachverhalt der Über״ nähme eines fremden Formprinzips ohne dessen genuine Ver״ flechtung mit dem Inhalt in radikalster Weise aus. Maimuni muß das Meister-Jünger-Prinzip für die Überlieferung der ״Geheimnisse der Schrift“ an den ״Weisen“ fordern, sieht sich selbst aber, da er außerhalb der mystischen Traditionskette steht, ohne solche Überlieferung. Er anerkennt diesen Sachverhalt. (Einl. zu III.) Aber dieses Bewußtsein mangelnder Tradition gewinnt bei ihm eine folgenschwere Bedeutung. Es schlägt um in die Entschlossenheit, die fehlende Tradition durch sch öpferisch-aufschließ ende Spekulation zu ersetzen. Das Recht dazu schöpft er aus der Überzeugung, daß sein Mangel an Tradition nicht etwa seine individuell-persönliche Situation sei, sondern einen für seine Zeit allgemein gültigen Sachverhalt darstelle, nämlich die Tragik des völligen Verfalls der die Geheimnisse der Tora deutenden Überlieferung. Er glaubt, daß es, analog der mündliehen Tradition der Haiacha, eine solche der theoretischen Lehre des Judentums, eine die Geheimnisse der Tora aussprechende Metaphysik, gegeben habe. Aber bereits im Talmud und Midrasch seien nur noch Bruchstücke von ihr, nicht mehr, aufbewahrt (More 1 71). In seiner Zeit, so glaubt er, gebe es, verursacht durch die Zerstreuung Israels, keine lebendige derartige gepflanzten Lehren bilden die Kabbalah des Suffismus \ Vgl. Goldziher, Vorlesungenüber den Islam2, 1925, S. 158. Der arabische Terminus für solche ״Überlieferung'Y den auch Maimuni gebraucht, ist בקל• (So, z. B. More I 5, Munk 16b, I 62, Munk 79a.) Zur Bezeichnung derjenigen ״Überlieferung“, die der großen Menge die allgemeinsten theologischen Wahr« heiten vermittelt, gebraucht Maimuni den Begriff des תקליד. (So z. B. I 33, Munk 37a, I 35, Munk 41b u. 42a.) Dieser Begriff dies תקליד (vgl. Dozy, Suppl. 1881, S. 394, sp. 2) darf allerdi-ng's nicht identifiziert werden mit dem, gegen den sich die Polemik der Zahiriten und des Gazali gerichtet hat. (Vgl. Goldziher״ Die Zahiriten, ihr Lehrsystem und ihre Geschichte, S, 30 ff., 201, sowie־ Bers., Streitschrift des Gazali gegen׳ die Batinijja«Sekte, 1916.) Ein Autoritätsprinzip, wie es der Taklid-Begriff der Batinijja-Sekte darstellt, ist innerhalb des Judentums völlig ausgeschlossen.

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