Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 10)
- Language
- German
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314 Alexander Altmann b) Die schöpf erisch-a uf schließende Spekulation. Es ist in der bisherigen Forschung nicht genügend beachtet worden, daß im System Maimunis der Lehre vom P r o p h e t e n ein Gegenstück parallel läuft: die Lehre vom ״W e i s erv. Im Sinne Maimunis ist zu scheiden zwischen dem Propheten als dem Künder des Geheimnisses26 und dem ,,Weisen“ als dem legitimen Interpreten der prophetischen Kunde27. Zwischen beiden besteht eine formale Analogie. Der Prophet sowohl wie der Weise müssen bestimmte Dispositionen aufweisen, der Pro״ phet die absolute menschliche Vollkommenheit, der Weise ein bestimmtes MaS intellektueller und sittlicher Reife28. Beiden gemeinsam ist ferner der rezeptive Charakter der ihnen spe״ zifischen Erkenntnis. Beide empfangen das Geheimnis. Der Prophet erfährt die prophetische Mitteilung auf dem Wege des aktiven Intellekts von Gott her, der Weise von einem Meister, der im Besitz der deutenden Überlieferung (29(קבלה ist Hier 20 Wir schließen uns in -der Deutung־ der maimunisdien Prophetologie der Auffassung' Leo Strauß׳ an. Diese Auffassung, wie sie Strauß in Anlehnung־ an Narboni entwickelt hat, besagt eine qualitative Höhergradu״ ierung des Propheten über den Philosophen. Ähnlich betont auch R.'V. Fel d m a n in ״Moses Maimonides“, ed. I. Epstein,;1935, S. 85 ff., den Charakter der Prophetie als einer scientia intuitiva (bei strenger Scheidung von Intuition und Imagination}, wobei Maimunis Prophetologie in die Nähe von Jehuda Halevis Lehre vom amr ilahi gerückt wird (S. 991). —־ Diese Deutungsmöglichkeit scheint allerdings :im Mittelalter häufig übersehen worden zu sein. Vgl. Ramban (Derascha), zit. bei Gabbai a. a. O1., S. 152a, 151a. Vgl. jedoch die wichtige Stelle More I 32, zit. von Botarel, Jez.״Komm., ed. Warschau 1884, S. 35 ff., ferner Kobez II 23b. 27 Vgl. More I 34: ואשר עלו בידו החכמות בפועל הוא נקרא חכם חרשים — Beispiele für solche autoritative Deutung der Geheimnisse der Schrift durch die ״Weisen1 I 70, II 10, II 30, 111 27, III 22. , . 28 More I 33, 34, 62. 29 Der terminus Kabbala bezeichnet also hei M. bloß die Form der Weitergabe. Noch dem Bahir ist ja der terminus Kabbala im ״kabbalistischen“ Sinn fremd. Vgl. S c h o Le m, EJ unter ״Bahir11, sp; 976, Bahir § 134. Vgl. auch D. N e u m a r k, תולדות הפילוסופיה בישראל, Bd. Ir S. 177. — Daß die legitime Deutung der prophetischen Berichte nur auf Grund* autoritärer Überlieferung möglich sei, gilt auch in der arabischen Mystik. Muhammed hat nach der Lehre der esoterischen Surffiexegeten den geheimen Sinn der Offenbarung dem Ali an vertraut. ״Diese nur den Auserwählten fort״