Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 9)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 313 strenge Ausleseprinzip von der talmudischen Mystik her übernimmt. Der Begriff des Geheimnisses bedeutet daher nicht bloß das Nichtzugänglichsein der metaphysischen Erkenntnis für die große Masse7 sondern auch das Vorbehaltensein für einen bestimmten, mit dem Kreis der Philosophen durchaus nicht identischen Jüngerkreis. Der Begriff des Geheimnisses enthält also neben seiner aufklärerischen Komponente noch einen formalmystischen Zug. Diese Zweistufigkeit wird ausdrücklich formuliert in der Einleitung zu More III: ״Beachte also, wenn in deinem Herzen Einsicht ist, welches Ausmaß sie hiermit andeuten! Sie haben ausdrücklich gesagt, welch tiefgehendes Studium die M. M. erheische und wie unzugänglich sie für die Kenntnis der Menge sei. Es ist ferner einleuchtend, daß die Schrift sogar dem von Gott mit Einsicht Begnadeten verbietet, das, was er davon versteht, auf eine andere Weise als unmittelbar mündlich und nur einem solchen vorzutragen, der die früher angeführten Charaktereigenschaften besitzt, und auch diesem darf man nur die Hauptsachen überliefern/'25 Eine theoretische Begründung für dieses Überlieferungsprinzip, das den esoterischen Charakter der metaphysischen Erkenntnis weit über den Rahmen einer aufklärerisch-pädagogischen Maßregel hinaustreibt, wird nirgends ausgesprochen. Die Erklärung liegt darin, daß Maimuni hier einfach das Überlieferungsprinzip, das in der echten talmudisch-mystischen Tradition des Meister-Jünger-Verhältnisses seinen legitimen Sinn besaß, formal übernommen hat, ohne ihm einen mystischen Gehalt zuweisen zu können. Der mystische Charakter der Maas se Bereschit und Maass^ Merkawa bei Maimuni ist ein Residuum der talmudischen Mystik. Von ihr aus überträgt sich die spezifische Feierlichkeit, in die das Mysterium der Lehre getaucht ist, auf Maimuni. Sein Pathos des ״Geheimnisses" wird von hier genährt. 25 VgL auch More I 33, wo der Begriff der ״Geheimnisse der Tora“ zunächst im pädagogisch-aufklärerischem Sinne definiert, dann aber hinzugefügt wird, daß selbst dem wissenschaftlich Vorgebildeten nur die Grundbegriffe überliefert werden dürfen,