Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 311 Terminus einen grundsätzlich anderen Sachverhalt meint. Ein Vergleich auf Grund der oben ausgeführten Analyse des סוד- Begriffs der jüdischen Mystik lehrt, daß Maimuni einen seiner Struktur nach völlig anderen Begriff des Geheimnisses konzipiert hat. — Bereits Abr. Abulafia hat in seinem den More Newuchim mystisch-spekulativ ausdeutenden Kornmentar20 in tiefsinniger Weise auf die Doppelbedeutung des Wortes סתר im Hebräischen hingewiesen. Es bedeute sowohl das Geheimnis wie den Widerspruch. Abulafias eindringende Interpretation beruft sich auf die More-Stelle im Vorwort zu I, wo unter den sieben Ursachen für das Vorkommen konträrer oder kontradiktorischer Widersprüche unter Zahl 7 das Phänomen des Widerspruchs mit dem des Geheimnisses zusammengebunden wird. Über das Geheimnis reden bedeute notwendig, in Widersprüchen reden. Hier ist in der Tat eine entscheidende Stelle herausgehoben. Der Widerspruch weist auf ein Geheimnis. Damit ist das innerste Mptiv des ־־ncs״Begriffs bei Maimuni enthüllt. Die psychologische Genesis geht vom Widerspruch zum Geheimnis. Das beunruhigende Erfahren des Widerspruchs von Wortsinn der Schrift und philosophischer Wahrheit hat Maimuni zu seiner Theorie von den zwei Schichten des inneren und äußeren Wortsinns getrieben, nicht aber das mystische Bedürfnis, hinter der Worthülle ein Verborgenes zu ergreifen. Gesteht er doch offen, überall dort, wo der Wortsinn den philosophischen Ansprüchen genüge, keine Veranlassung zu haben, ihm einen anderen Sinn unterzulegen21. Der Widerspruch die Tradition. Für Geheimnis und Verborgenheit werden häufig die arab. Bezeichnungen (סר, צפיה) verwendet. 20 Der nur handschriftlich vorhandene Kommentar ist trotz seiner mystisch übersteigernden Ausdeutung Maimunis (vgl. Teil 2 dieser Abhandlung) für unsere systematische Analyse von außerordentlichem Wert. Für die vorliegende Arbeit sind die hebr. Hs. München 341 und 408 benutzt worden. Die oben angeführte Stelle befindet sich Bl. 71b—72b der Hs. 408. 21 More II 25.־—י׳ Es ist beachtenswert, daß hier mit diesem Prinzip gerade mystisch^kosmolo gische Spekulationen abgeschnitten werden. — Von unserer Analyse des *no-Begriffes bei M. her fällt auch Licht auf den prinzipiellen Unterschied in der AlLegoristik Philos und Maimunis. VgL hierüber bereits Heinem ann, MGWJ 1920, S. 121 (dort auch.Hinweis auf B1 och,