Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
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310 Alexander ALtmann der Umstand, daß die von Philo beschriebene jüdische Sekte der Therapeuten in gewisser Nähe zu den Mysterien steht (as~ ketische Übungen als Vorbereitung zu Visionen) beweist den starken Eindruck der Mysterien auf das zeitgenössische Juden« tum16. In all diesen mystischen Bewegungen (denen auch Philo zuzurechnen ist) hat der Meister~Jünger«Kreis in der Deutung der Tora, speziell der Maasse Bereschit und Maasse Merkawa, seinen eigentlichen mystischen Gegenstand. Der Begriff der ״Geheimnisse der Tora“ ist hier durchaus mystisch und dem des Mysteriums angeglichen. Das Aneignen des Geheimnisses bleibt keine theoretische Wissensangelegenheit, sondern besitzt, analog dem Sinn des Mysteriums, eine verwandelnde, pneuma« tische Kraft17. Das Verborgene ist seiner phänomenalen Struktur nach das in Gott Geborgene״ Der Begriff der סתריי תורה muß daher seinem Sinn nach sprachlich mit סתר verborgen, ge~ borgen sein (nicht mit anderen Bedeutungen der gleichen sprachlichen Wurzel) zusammengestellt werden. Maimuni übernimmt aus der talmudischen Tradition die Begriffe des סוד und der סתרי• תורה, sowie ihrer spezifischen Dis« ziplinen Maasse Bereschit und Maasse Merkawa. Ja, sie bedeuten auch ihm das zentrale Anliegen seines Werkes. Die Erläuterung von M. B. und M. M. ist ihm der eigentliche Inhalt des More18. Auf Schritt und Tritt werden diese Disziplinen als סתרי תורה, Geheimnisse, Verborgenheiten charakterisiert19. Man darf sich jedoch nicht darüber täuschen, daß hier der gleiche beliebigen Geheimnisses Gen. r. 742, Lev. r. 324, Num. r. 2021 (Midr. Ps. 1144), ferner בעלי מסתורין als die ״Schweigenden, Schweigsamen“ Gen. r. 715 (Jalk. Gen. § 126) gebraucht. —■ Zur Schreibung und volksetymolog. Ableitung des Wortes vgl. Theodor «Alb eck zu Gen. r. 509 und 715. Zu beachten ist auch der Anklang an das Danielsche מסתרתא, Dan. 222. 16 Vgl. zur Charakteristik der Therapeuten Heinemann, MGWJ, 1934., S. 104 ff und Pauly«Krolls RE s. v. — H. vermutet in ihnen das geistesgeschichtliche Zwischenglied zwischen der apokr. Henoch-Mystik und der gaon. Hechalötmystik. 17 XXber die magische Wirkung des Wissens der Gottesnamen vgl. Kidd. 71a, über die Erhebung des Mysten in den! pneumatischen Stand b. Chag. 14b. 18 More II 29, Vorbem. zu III 15. 19 Die termini סתרי תורה und סוד bleiben auch im arabischen Urtext in der originalen hehr. Fassung, ein Beweis für das bewußte Anknüpfen an