Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 309 nis erinnert durchaus an den esoterischen Charakter der helle« nistischen Mysterien. So gewiß von einem Eindringen heid« nischer Mysterienlehren ins Judentum nur mit Vorsicht ge« sprochen werden kann13, so scheint doch das Formprinzip des Mysteriums in abgeblaßter Weise für die Tradierung der mysti« sehen Lehren maßgebend geworden zu sein. Gerade in An« betracht der ganz und gar nicht esoterischen Haltung des Juden« tums14 muß angenommen werden, daß hier das Formprinzip des Mysteriums einen gestaltbildehden Einfluß erlangte, wofür auch das nicht seltene Vorkommen des griechischen Lehnwortes מסתורין einen Anhaltspunkt bietet. Gewiß wird dieses Wort oft auch nur in abgegriffenem Sinne gebraucht, aber es besitzt auch mitunter einen recht vollen Klang und, wenn auch nicht organisch-jüdischen, so doch immerhin prägnanten Sinn15. Auch der kosmolog. und eschatol. Spekulation entstammt •offenbar, worauf be« reits M. Joel, Blicke in die Religionsgeschichte, I, S. 151 ff. hingewiesen hat, einer späteren Phase, in der die Eindämmung der gnostischen Einflüsse notwendig wurde. Nichtsdestoweniger ist dadurch der Fluß der Entwick« lung keineswegs gehemmt, sondern nur der esoterische Charakter ver« Schärft worden. Vgl. die talmudische Aufzählung der Qualitäten, die die Zulassung zum Geheimnis bedingten, b. Chag. 14a, b. Kidd. 71a. 13 Vgl. die Auseinandersetzung Heinemanns mit E. Norden und R. Kittel, MGWJ, 1925, S. 337 ff. 14 Beachtenswert sind die Proteste gerade des hellenistischen Juden״ tums gegen die Mysterien wie der Einschub der LXX zu Deut. 2318 (17), die Polemik der ״Weisheit Salomos", sowie Phiions. Vgl. hierzu Heinemann, Die griech. Quelle der ״Weish. SaL“, Jahresber. des Jüd.«theol. Sem. Breslau 1920, S. 150 ff., sowie Ders., Phiions griechische und jüdische Bildung, S. 175, 4520, 525. — Zum Gegensatz von Judentum und Mysterien« religion vgl. auch M. Guttmann, בחינת קיום המצרית, Ber. Jüd.«theol. Sem. Breslau, 1930, sowie Ders. MGWJ, 1932, S. 319 ff. 15 Eine Untersuchung der bei S. Krauß, Griech. und lat. Lehnwörter im Talmud, Midr. und Targ., II unter מסטירין (auch מסטורין ,מסתורין) zitierten Stellen ergibt folgende Gebrauchsweise des Wortes: Ex. r. 197, Tanch. לך לך, 19 bedeutet es die Auserwählung durch den Bund der Mila (der man in. manchen Kreisen Zauberkraft zuschrieb); Gen. r. 983 (Pesikta r. 21 S. 105b), Tanchuma 8 ריחי den geheimen Zeitpunkt der Erlösung; Jalk. Ex. § 171 das Geheimnis des göttlichen Wesens in Verbindung mit dem Mysterium des Namens Gottes; Gen. r. 50« (Gen. r. 6812, Gen. r. 782), Midr. Ps. 97 das Geheimnis der göttlichen Planungen; Tanch. 5 וירא, (Pesikta r. c. 5 S. 14h) die nur für Israel bestimmte mündliche Lehre; Ex. r. 191 das Mysterium der Belebung. In abgegriffenem Sinne wird das Wort zur Bezeichnung eines