Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830020-2840255--54140-2840285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
308 Alexander Altmann wirft umso dringender die Frage auf, in welcher theoretischen Schicht dieses Verwandtschaftsgefühl seine Begründung findet11. Im folgenden soll der Versuch gemacht werden, diese Frage, ohne sie erschöpfend zu behandeln, von einigen Gesichtspunkten her zu beleuchten. Es wird sich ergeben, daß in der Tat formale mystische Elemente im System Maimunis enthalten sind, die ein Anknüpfen der Mystiker an ihn ermöglichten. Die Frage allerdings, ob Maimuni der Struktur seiner Lehre und Haltung nach zur jüdischen Mystik gehöre, wird umso entschiedener verneint werden müssen. 1. Formale Analogien zur jüdischen Mystik, a) Der Begriff des ״Geheimnisses“ bei Maimuni. Der esoterische Charakter der mystischen Lehre im Judentum hat bekanntlich seinen terminologischen Ausdruck in den Begriffen des סוד, der ,סתר,־ תורד und ihrer Umschreibungen gefunden. So dunkel auch die geistesgeschichtlichen Ursprünge der jüdischen Mystik sind (vor allem bezüglich ihrer Zusammenhänge mit den Prophetenschulen, der Apokalyptik und der Gnosis), so hat sich jedenfalls bereits in tannaitischer Zeit eine bestimmte esoterische Haltung, die die Art des Tradierens präzise festlegte, herausgebildet. Das M e 1 s t e r - J ü n g e r -V e rh ä 11 n i s als ein für die Soziologie der frühen Mystik charakteristisches Phänomen tritt uns in den talmudischen Berichten, die sich an die bekannte Mischna Chag. II, 1 anschließen, ausgeprägt entgegen12. Dieses exklusive Meister-Jünger-Verhält- 11 Die trotz des philosophischen Selbstbewußtseins Maimunis durchbrechende religiöse Demut, auf die Heinemann, MGWJ 1933, S. 396f. hin weist, kann trotz ihrer mystischen Färbung nicht als ausreichender Erklärimgsgrund angesehen werden, obgleich nach Koch solche ״theozentrische Haltung“ auf eine Mystikergestalt wie Meister Eckhart gewirkt haben mag. Vgl. J. Koch, Meister Eckhart und die jüdische Religionsphilosophie des Mittelalters, 101. Jahresbericht der schlesischen Gesellschaft für vaterl. Cultur, 1928, S. 140. 12 Vgl. bes. die Erzählung über R. Joch. b. S. und R. E'lasar b. A., b. Chag. 14b und die Parallelstelle in jeF. Chag. 9a, sowie die analogen Berichte b Chag. 13a, j. Chag. a. a. O. Über die esoterische Tradierung der Gottesnamen b. Kidd. 71a. Zur ״flüsternden“ Mitteilungsform vgl. auch Gen. r. 34, Midr. Ps. 104. — Das Mischna Chag. II, 1 angeschlossene Verbot