Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik 307 tischen Mystik bei Maimuni auf das Fehlen positiver Beziehun״ gen zur theoretischen Mystik ohne weiteres schließen6. Wenn auch feststeht, daß Maimuni die Astrologie, die Amulett״ schreiberei, überhaupt jegliche Magie auf das schärfste be״ kämpft hat, so ist damit noch nicht gesagt; daß er der spekula״ tiven Mystik fern steht. Die Verwerfung des Magischen begeg״ net uns ja auch in der kabbalistischen Literatur selbst7. Schwerer wiegt allerdings die ablehnende Haltung, die Maimuni gegen״ über den Paitanim einnimmt8. Hier enthüllt sich ein Unver״ ständnis, das nicht bloß als Ausdruck einer pädagogischen Hai״ tung9 gedeutet werden kann, sondern beweist, daß Maimuni einer spezifischen Äusdrucksform der Mystik, der Hymne, ohne den Versuch einer Einfühlung gegenüberstand. Bei dem wesentlich magischen Sinn der Hymne10 wäre es jedoch nicht ausgeschlossen, daß ihre Ablehnung nicht so sehr der Mystik״ fremdheit wie der Magiefeindlichkeit entspringt. Gerade der Umstand aber, daß die offene Magiefeindschaft Maimunis viele Kabbalisten nicht gehindert hat, ihn zu den ihrigen zu rechnen, 6 Auf das negative Verhältnis Maimunis zur ״praktischen Kabbala“ gehen wir hier nicht näher ein, da dieser Sachverhalt klar zutage liegt. Vg־l. hierzu I. Finkelscherer, Mose Maimunis Stellung zum Aberglauben und! zur Mystik, 1894. Über das grundsätzlich andere Verhältnis der Ga-onen zur praktischen. Mystik vgl. E. E. Hildesheimer, Mystik und Agada im Urteile der Gaonen R. Scherira und R. Hai, 1931. 7 Ja, es zeigt, wie Scho Lern därgelegt hat, ״die innere Geschichte der Kabbala ein Auf und Ab im Kampfe um die Feststellung der Tiefen״ Schicht des Magischen, welche erreichbar sein sollte und dürfte“. (״Der Jude“, VI, Seite 61.) 8 VgL More I, 59, Responsa, ed. A. Freimann, S. 328 u. Anm. das. 10 VgL die Deutung bei I. Heineman n, Maimuni und die arabischen Einheitslehrer, MGWJ, 1935, S. 143, Anm. 208 und seine Bemerkung zu Ep p enst ein. — M. spricht aber in dem von Goldziher mitgeteilten Responsum nur von weltlicher Musik. Sie verleite zur Abkehr von der moralischen Vollkommenheit. ״Was die Geonim als erlaubten Gesang er״ wähnen, das sind Hymnen und Lobgesänge, wie dies auch der Verfasser der Halachot erwähnt.“ MGWJ 1873. Also sind die Hymnen (דברי שירות ותשבחות) halachisch nicht verboten. Umso schwerer wiegt die Ablehnung der Paitanim durch M. 10 Zum Sinn der Hymne vgl. Scho lern, ״D'er Jude“ a. a. O. — Zur Geschichte der Hymne in der jüdischen Mystik vgl. S. A, Horodetzki in ״K'nesset diwre sofrim ]׳secher Ch. N. Bialik“, I 416 ff. 20*