Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Verhältnis Maimunis zur jüdischen Mystik
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
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306 Alexander Altmann Äußerungen der Kabbalisten über Maimuni bis hinauf in den Chassidismus verfolgt* * 3. Was jedoch bisher überhaupt noch nicht unternommen wurde; ist eine systematische Untersuchung über das objektive Verhältnis der maimunischen Philos op h i e zur jüdischen M;y:s t i k. Unabhängig von der Frage, ob Maimuni, wie die Legende will, sich am Ende seines Lebens der Kabbala zugewandt habe (uns scheint diese Möglichkeit nicht mehr vertretbar, nachdem Scholem die Phasen der Legendenbildung überzeugend nachgewiesen hat), ist die Frage zu stellen, ob nicht in der Struktur oder in Einzelzügen seines Systems Deckungen oder Berührungen mit der jüdischen Mystik vorhanden sind. Abgesehen also von der biographischen Frage einer Scheidung des alten vom jungen Maimuni erscheint es notwendig, die objektiv-systematische Beziehung mit allem Emst zu prüfen. Die Tatsache, daß Mystiker der gleichen Epoche, wie Ramban, sich ihm geistig nahe fühlen4, daß insbesondere die Kabbalisten der ersten Generation nach Maimuni ihn als ausgesprochenen Kabbalisten empfinden und, wie Abr. Abulafia, an sein System anknüpfen, daß schließlich bis in den Chassidismus hinein immer wieder Stimmen auftauchen, die Maimuni für die Kabbala beanspruchen, legt die Frage nahe, ob nicht in der Tat das gewohnte Bild des großen ״Rationalisten“ Maimuni einer gewissen Korrektur oder Ergänzung bedürftig ist5. Keinesfalls darf man aus: der Ablehnung der prak- ג Mosnajim, Bd. III, 4—5, S. 441 ff. — Eine populäre Darstellung, vor allem der positiven Einstellung der Kabbalisten zu M;, gibt Z. M. Rabbinowitz in der von J. L. Fischmann redigierten Festschrift ״R. Mosche b. Maimon“, H. Bd.r ־S. 279 ff. 4 Vgl. das Sendschreiben des Ramban, Kobez III, S. 8 ff. Auch Rabed, heißt es dort, habe trotz seiner Angriffe nicht den Vorwurf der Ketzerei oder Leugnung gegen M. erhoben; auch dessen Zugehörigkeit zur Mystik ist nach S c h o 1 e m s erneuter Untersuchung unbestreitbar. 5 Überhaupt läßt sich ja durch das Schlagwort des ״Rationalismus“ keine Scheidung zwischen Philosophie und Kabbala herbeiflehren, da die Kabbala mit ebenso großem Rechte rationalistisch genannt werden konnte wie die Philosophie. Scholem, Das Buch Bahir, § 60, Anm. 2, spricht bei der Interpretation der üb^ die ״rein visionäre Mystik“ der gaon. Zeit hinausgehenden imanschaulichen ״Machschawa“ treffend von einem ״mystisehen Rationalismus“. Andererseits haben. Gelehrte wie Joel und Leisegang auf den — im oben bezeichneten weiteren Sinn — ״mystischen“ Einschlag in vielen griechischen Systemen hingewiesen.