Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gründung und Privilegien der hebräischen Buchdruckerei in Frankfurt a. O.
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 7)
- Language
- German
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268 ז Bernhard־ BriUing handel heben wollte und vielleicht in dieser Frankfurter hebräischen Druckerei ein Mittel sah, die polnischen Juden zum Besuch der Frankfurter Messe anzuregen21. Abgesehen davon, daß ihm der Verkauf der Bücher nach Polen wirtschaftlich nutz״ bringend erschien, da auf diese Weise Geld in das arme Preußen floß22.' ■':■.׳ ־ Außerdem stand der Große Kurfürst im allgemeinen den Juden nicht ablehnend gegenüber, da er sie für ein nützliches Bevölkerungselement hielt. Dies hat er praktisch dadurch be~ wiesen,- daß er kurz zuvor 50 jüdischen Familien für 20 Jahre Aufenthalts- und Handelsprivilegien für Brandenburg gegeben hatte23. 1678 hatte er sogar zwei jüdischen Studenten in Frankfurt a. O. Stipendien gewährt24. V. ■■ ■׳ .׳־ Allerdings gälten alle Privilegien der Regierung nur für die sogenannten vergleiteten Juden d. h. für diejenigen Juden, die von der branderiburgischen Regierung einen zum Daueraufenthalt berechtigenden Geleitschein erhalten hatten. Auf Juden, die diesen nicht hätten, erstreckte sich der Schutz der Regierung nicht; Daneben gab es auch Juden, die ohne Geleitschein aufenthaltsberechtigt waren. So z. B; die jüdischen Buchdruckergesellen der Becmannschen Druckerei, die laut Genehmigung vom 1. Mai 1675 als Universitätsbürger von der Lösung 21 Über das Verhältnis der polnischen Juden zur Frankfurter Messe s. L. Lewin, Die Landeissynode der großpolnischen Judenschaft (Frankfurt a. M. 1926) S. 48/49 sowie E. Philippi ״Die Messen der Stadt Frankfurt a. O.“ (Frankfurt־ a. Ö. 1877) S. 54 ff. 22י Nach dem Urteil des Nichtjudlen Spieker (Frankfurter Patr. Wochenblatt 1853 Nr, 51) wurden an hebräischen Büchern 80—100000 Reichstaler jährlich umgesetzt. Vgü. Friedberg a. a. O. S. 49. Nach der Angabe des Prof. Grillo v, J. 1752 sind durch den Talmudverkauf mehr als Tonnen Goldes nach Preußen gebrächt worden. Vgl. B. Brilling in den ״Mitteilungen der Sdncinö-Gesdlschaft“ 1930, Nr. 6r S. 10. 23 S. Stern ״Der Preußische Staat und die Juden“ I, 1 (Berlin 1925) S. 33 ff. Vgl. äuch: S. 13.f Über die Motive seiner Toleranz vg־I. I, 2, S. 31 Nr. 24 ״Da Wir noch der beständigen Meinung seien, daß die Juden mit ihren Handlungen Uns und 'dem Lande nicht schädlich, sondern vielmehr nutzbar erscheinen“ (1672). 24 L.‘ Lewin im• : Jahrbuch! der ׳ jüdisch-Uterarischen Gesellschaft XIV (Frankfurt a. M. 1921) S. 222 ff.;