Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gründung und Privilegien der hebräischen Buchdruckerei in Frankfurt a. O.
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830019-2840105--54102-2840220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gründung* u. Privilegien d. hebr. Buchdruckerei i. Frankfurt a. O. 267 könne. Auf dieser Reise kam er über Hamburg und Groningen 1663 auch nach Amsterdam und Leyden, wo er, wohl erstmalig, mit Juden zusammentraf. Zu Amsterdam ließ er sich von dem seit 1655 als Rabbiner amtierenden Jacob Abendana, der auch von Buxtorf und Coccejus als Gelehrter anerkannt wurde, im Talmudischen und in der arabischen Sprache unterrichten18. 1664—1666 hielt er sich in England auf und trat 1667 die Rückreise an. Er erhielt sofort (1667) die Professur für Griechisch an der Frankfurter Universität, für die sich der Große Kurfürst sehr interessierte. 1678 erhielt er die Geschichtsprofessur, 1687 die Professur für Politik und 1690 die Professur für Theologie19. Er war also ein sehr weitgereister und in der ganzen damaligen wissenschaftlichen Literatur versierter Mann und hatte sich auch mit dem Studium der orientalischen Sprachen befaßt. Er scheint dabei sogar besonderes Interesse für Hebräisch gewonnen zu haben, sonst hätte er wohl kaum den Ent- Schluß gefaßt, seiner privilegierten Druckerei eine hebräische Presse beizufügen. Ob daneben auch finanzielle Gründe — wie etwa die Aussicht auf den Bücherabsatz in Polen — hierbei mitgewirkt haben, läßt sich natürlich heute nicht mehr feststellen. Es traf sich sehr gut für Professor Becmann, daß sein Wunsch, eine eigene hebräische Druckerei zu besitzen und dabei auch jüdische Drucker zu beschäftigen, mit der Politik des Großen Kurfürsten gegenüber seiner Universität Frankfurt und gegenüber den Juden übereinstimmte. Er wollte seine Universitat blühen sehen und ihr Anerkennung im In- und Ausland verschaffen20. Die hebräische Druckerei spielte hierbei insofern auch eine Rolle, als aus ihrer Tätigkeit hervorging, daß dort das Studium der orientalischen Sprachen gepflegt wurde. Dazu kam, daß er den Handel mit Polen, der vorzugsweise durch die polnischen Juden vermittelt wurde, und den Frankfurter Meß- 18 s. Zeidlers UniversabLexikon UI (Halle und Leipzig 1733) Sp. 878/79? über Abendana s. Eschk. Enc. Ir 222/23. 1*י Zur Biographie des J. C. Becmann vgl. Zedier a. a. O. sowie Wegele in der ADB IIr 240/41. 20 Chr. W. Spieker ״Geschichte der Stadt Frankfurt a. O.‘* (Frankfurt a. O. 1853) S. 230/31.