Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Gründung und Privilegien der hebräischen Buchdruckerei in Frankfurt a. O.
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 5)
- Language
- German
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266 Bernhard׳ Brillin g Johann Christoph Becmann, der gleichfalls Professor der dortigen Universität war, für 400 Taler. Diese Druckerei, die also ursprünglich eine reformierte war, erweiterte der neue Besitzer durch Hinzunahme hebräischer Typen. Da aber die christlichen Setzer, wie er zu seinem Schaden selbst feststellen mußte und auch dem Kurfürsten berichtete, kaum oder nur sehr fehlerhaft hebräisch setzen konnten, beantragte er 1675 die kurfürstliche Genehmigung zur Beschäftigung zweier jüdischer Buchdruckergesellen, da er gra,de im Begriffe sei, eine hebräische Bibel mit chaldäischer Paraphrase und rabbinischen Kommentaren wieder aufzulegen. Am 1. Mai 1675 erhielt er diese Genehmigung, worin ausdrücklich gesagt war, daß auch diese jüdischen Drucker ebenso wie die anderen christlichen Drucker dieser Druckerei unter dem Schutz der Universität stehen sollten, was für diese sehr wichtig war, da sie dadurch vor Eingriffen der städtischen Behörden geschützt waren17. IV. In Professor Johann Christoph Becmann ist also der Begründer der hebräischen Buchdruckerei und erste Inhaber des hebräischen Druckprivilegs (wenn von einem solchen überhaupt gesprochen werden kann) zu erblicken. Deshalb scheint mir ein kurzer biographischer Abriß über ihn hier angebracht. Er war einer der angesehensten Gelehrten Preußens und übte als sogenannter Polyhistor eine fruchtbare literarische Tätigkeit auf dem Gebiete der Geschichte, Geographie und Politik aus. 1641 wurde er zu Zerbst als Sohn des protestantischen Theologen und Schulmannes Christian Becmann (1580 bis 1648) geboren. 1662 erhielt er vom Großen Kurfürsten, bei dem er sehr beliebt gewesen zu sein scheint, ein Reisestipendium mit der Bedingung, sich vorzüglich mit Geschichte zu befassen, damit er späterhin eine Geschichtsprofessur bekleiden (Leipzig• 1888). Diesen Hinweis verdanke ich dem Frankfurter Stadtarchivar Dr. Binder. 17 Das Privileg־ v. J. 1659, der Verkaufskontrakt v. J. 1673 und das Privileg betr. der 2 jüdischen Buchdruckergesellen, v. J. 1675 befinden sich abschriftlich im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem Rep. 78 IV F. 2, Nr. 9 II, 8.