Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Grundzüge der Aggada des Flavius Josephus
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 4)
- Language
- German
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240 Bernhard Heller projiziert. Die biblischen Kriegshelden, z. B. Josua, die Richter, David, Doeg erscheinen als Gottesgelehrte. Heinemann (Alt״ jüdische ÄUegoristik 32 f.) erklärt diese ״pazifistische Umbil״ düng" aus der Metaphorik, die sich um den Begriff Tora bildet. Ich glaube, diese Darstellungen entstammen dem Bedürfnis, die Vergangenheit aus der Gegenwart zu erklären. Man fragt sich, wo gedenkt die Heilige Schrift unserer Ideale: der Schriftgelehr״ ten. Man beruhigte sich dabei, daß die Kämpfer der Vorzeit eigentlich die Kämpfe der Tora bestanden haben. Josephus meidet diese Umbiegung. Es geschieht ganz ausnahmsweise, daß er zu Sauls Unterweisung Schrift״ gelehrte auf treten läßt (VI. VI. 4 § 120). Seine römische Umgebung hatte ihm Bewunderung, Anerkennung für blutige, kriegerische Leistungen beigebracht, zumindest mußte er diese Anerkennung von seinen Lesern voraussetzen. Es kommt ihm daher nicht in den Sinn, die Kriegstüchtigkeit der biblischen Helden zu verschleiern. Sein Josua wird in der Nacht vor der Schlacht mit Amalek durch Moses in der Kriegskunst unter״ wiesen. Er schwelgt in der Schilderung der Schlachten, zählt die Bestandteile der Heere auf: soviel Kriegswagen, soviel Reiter, soviel Hopliten, dann auch soviel Gefallene, setzt sie oft höher an, ׳ als Bibel oder Septuaginta. Abraham, sogar Lot werden als Kriegshelden verherrlicht, von Josua und den Rieh״ tern gar nicht zu reden. Saul wird als Muster des Todesmutes verklärt: Sonst zieht ein Heerführer mit der Hoffnung oder doch mit der Möglichkeit des Sieges zu Feld; Saul hingegen sieht es seit der Begegnung mit dem vom Totenreich herauf beschwöre״ nen Samuel klar voraus, er müsse bei Gilböa fallen, — er geht dem sicheren Tod mannhaft entgegen. Dabei unterläuft mancher Anachronismus. Chuschai spricht 1m Rate Absalons von den Belagerungsmaschinen und unter״ irdischen Minen der Angreifer. Weill (zu X. VIII. 1) verweist mit Recht darauf, daß Josephus die Belagerung durch die Baby״ Ionier reichlich nach der Erinnerung an die Belagerung durch Titus ausführt. Dies geschieht ja im Sinne der Aggada, in welcher Nimrod, Pharao, Sanherib, Nebukadpezar, Titus in einander übergehen.